Ausstellung läuft bis zum 11. Januar
Tate Britain zeigt "Turner in Venedig"

Der englische Romantiker William Turner war völlig fasziniert von Venedig. In seinem Nachlass sind hunderte von Skizzen der Stadt gefunden. Die Londoner Tate Britain hat nun erstmals in einer esamtschau Turners Venedig-Werke versammelt.

HB LONDON. Kaum ein englischer Maler war so von Venedig fasziniert wie der Romantiker William Turner. Wie groß seine Liebe zu Venedig tatsächlich war, stellte sich erst posthum heraus, als zehn Bücher mit Hunderten von Skizzen der Stadt in seinem Nachlass gefunden wurden. Zu seinen Lebzeiten hatte er zwischen 1833 und 1846 bereits 25 Ölgemälde ausgestellt, die sich der Stadtansicht widmeten. Die Londoner Tate Britain hat nun erstmals in einer Gesamtschau Turners Venedig-Werke versammelt.

Schon im Vorfeld hatte die Ausstellung für sensationelles Aufsehen gesorgt. Kurator Ian Warrell fand heraus, dass zwei im Besitz der Tate befindliche große Ölbilder des Meisters keineswegs Ansichten von Venedig zeigen. Die eher abstrakt gehaltenen Gemälde „Festliche Lagunenszene, Venedig 1845“ und „Prozession von Schiffen mit Rauch in der Ferne, Venedig 1845“ - so stellte sich heraus, waren in Wahrheit Eindrücke des Malers von der Ankunft von Frankreichs König Louis- Philippe in Portsmouth am 8. Oktober 1844. Rot-uniformierte Soldaten, die es nur in England gab, lieferten laut Warrell den schlagenden Beweis. Abgleichungen mit Turners Tagebuch bestätigten, dass er sich zu der Zeit in Portsmouth aufhielt. Die Bilder sind mit ihren neuen Titeln in der Ausstellung zu sehen.

Insgesamt werden 55 Ölbilder und mehr als hundert Drucke, Skizzen und Bilder in Wasserfarbe gezeigt. Die Ausstellung, die bis zum 11. Januar zu sehen ist, wird ergänzt durch Beispiele literarischer und künstlerischer Anregungen, die Turners Venedig-Begeisterung entscheidend beeinflussten. Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ hat Turner ebenso in sein Venedig-Bild einbezogen wie Lord Byrons Versdrama „Childe Harold's Pilgrimage“ von 1818. Dem Shakespeare- Stück widmete Turner sogar eines der seltenen Porträts seiner Laufbahn. Zu Turners Vorbildern in der Kunstwelt Venedigs gehörten Bellini, Veronese und Tintoretto, vor allem aber Tizian und Canaletto.

Turners erste Venedig-Bilder stehen noch ganz unter dem Einfluss Canalettos. Zu Beginn wollte der junge Maler noch seine Meisterschaft der architektonischen Darstellung unter Beweis stellen, indem er besonders komplexe perspektivische Überschneidungen wählte. Doch später entfernte er sich von der linearen Detailgenauigkeit und experimentierte mit Farbe und Licht. Oft war Turner für seinen ungewöhnlichen Umgang mit Farbe kritisiert worden, doch bei den Venedig-Bildern reagierten Kritik und Publikum großzügiger: Die italienische Märchenstadt durfte in unwirklichen Farben gezeigt werden.

An Turners Spätwerk schieden sich die Geister zu seinen Lebzeiten jedoch wieder. Viele bemängelten, dass kaum mehr Einzelheiten erkennbar seien und die Umrisse der Stadt zu nebligen Schemen und verschwimmenden Silhouetten würden. Eine Reihe der in der Tate gezeigten Bilder in Wasserfarbe zeigen Ansichten des nächtlichen Venedig, eine Darstellungsweise, die zu Turners Zeit unüblich war. Turner selbst hielt seine venezianischen Nacht-Werke, wie etwa „Venice, Moonrise“ von 1840, für nicht ausstellungswürdig, und bis in jüngster Zeit wurden sie auch tatsächlich nicht gezeigt. (Internet: http://www.tate.org.uk )

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