Ausstellung „Making Heimat“ Wie Zuwanderer in Städten heimisch werden

Ein „Ghetto“ muss nicht unbedingt negativ sein: Es kann für Einwanderer auch zur Startrampe werden. Eine Ausstellung untersucht jetzt, wie Integration in Städten gelingen kann. Eine Forderung: Wohnen muss bezahlbar sein.
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Ein Modell des Mathildenviertels in Offenbach am Main: Einwanderer sollen ihre städtischen Räume selbst gestalten können. Quelle: dpa
„Making Heimat – Germany, Arrival Country“

Ein Modell des Mathildenviertels in Offenbach am Main: Einwanderer sollen ihre städtischen Räume selbst gestalten können.

(Foto: dpa)

Frankfurt/MainHeimat ist ein urdeutscher Begriff, der in andere Sprachen kaum zu übersetzen ist. In Deutschland wollen und sollen Millionen von Zuwanderern eine Heimat finden - dazu können gerade auch Städtebau und Architektur eine Menge beitragen. „Making Heimat - Germany, Arrival Country“ heißt daher der bewusst plakative Titel einer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt. Es ist die erweiterte Präsentation des deutschen Beitrags, den das DAM im vergangenen Jahr für die Architektur-Biennale in Venedig organisiert hat.

Heimat kann „gemacht“ werden kann - so lautet die These der Schau. „Es geht um die Selbstintegration der Menschen“, sagt DAM-Direktor Peter Cachola Schmal. Sprich: Einwanderer sollen ihre städtischen Räume selbst gestalten können. Mit ihren Läden, Märkten oder im Netzwerk der eigenen Landsleute wie etwa im Vietnamesenviertel in Berlin-Lichtenberg. Diese „Stadt in der Stadt“ dürfe nicht als „Ghetto“ diffamiert werden, meinen die Ausstellungsmacher. Erst wenn Einwanderer in einer vertrauten Umgebung „angekommen“ sind, sind sie bereit für die nächsten Schritte der Einbindung.

Als leuchtendes Beispiel hat das DAM die Stadt Offenbach ausgewählt. Mit einem Migrantenanteil von fast 60 Prozent und insgesamt 159 Nationalitäten gilt die Kommune mit ihren 120.000 Einwohnern als internationalste Stadt Deutschlands.

„Offenbach ist ganz okay“, feiert die Ausstellung die Stadt als sprichwörtliche „Arrival City“, die lange Zeit vor allem als Frankfurts „hässliche Schwester“ bekannt war. Am Miniaturmodell von Straßenzügen zeigt das DAM, was in der alten Industriestadt am Main besonders gut funktioniert. Es gibt in der Stadt ein dichtes Miteinander aus Wohnen, Arbeiten, öffentlichen Bauten und Kleingewerbe. Genau das, was Städtebauer und Soziologen heute als vorteilhaft für die Integration betrachten.

Dennoch gibt es aber auch Schattenseiten. Diese werden in der Ausstellung auch nicht verschwiegen. Die Armut in Offenbach ist groß - die Stadt hat mit den höchsten Anteil an Arbeitslosen und Sozialleistungen in Hessen. Und Offenbach ist mit der höchsten Fluktuation in Deutschland nicht nur „Arrival City“, sondern auch „Departure City“.

DAM-Chef Schmal spricht von einer „Integrationsmaschine“. Viele Einwanderer ziehen nach erfolgreichem Aufstieg weiter ins Umland - manche kehren allerdings auch in ihre Heimat zurück.

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Einwanderer ziehen in der Regel dorthin, wo sie Arbeit zu finden hoffen. Auch das zeigt „Making Heimat“. Kein Wunder also, dass Wirtschaftszentren wie Frankfurt, Stuttgart und München ebenfalls mit die höchsten Migrantenanteile in Deutschland haben. Gerade in diesen Ballungsräumen hat die Ankunft von Hunderttausenden von Flüchtlingen die Wohnungskrise weiter verschärft. In einem zweiten Teil beleuchtet die Ausstellung daher bundesweit Bauten, in denen Flüchtlinge untergebracht wurden.

Manche davon könnten sogar als Blaupausen für kostengünstige Architektur dienen. Denn es muss bezahlbares Wohnen für alle geben. Diese Forderung wird in der Ausstellung unmissverständlich erhoben. Als Vorschläge werden Verdichtung, modulares Bauen und weniger bürokratische Auflagen genannt.

  • dpa
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