Ausstellungstipp 2
Paris für Fortgeschrittene im Museum Folkwang

So hat der Kunstflaneur Paris noch nie gesehen: im Umbruch was die Stadtgestalt betrifft, in freudiger Erregung, was die Menschen und ihr Leben draußen betrifft. Das war der Stoff, der die Impressionisten inspirierte. Die Ausstellung "Bilder einer Metropole" im Essener Museum Folkwang lohnt eine Reise. Tipp 2.
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ESSEN. Durch die regennassen Straßen von Paris flaniert ein Paar unterm Regenschirm, auch die übrigen Passanten sind beschirmt, eine Pferdekutsche biegt um die Ecke. Als Gustave Caillebotte im Jahr 1877 die "Straße in Paris, an einem Regentag" malte, konnte er noch nicht wissen, dass sein Gemälde (heute im Art Institute of Chicago) einmal zur Ikone des modernen Paris werden würde. Die verschwenderische Breite der neuen Boulevards und die Weite der sternförmigen Plätze wurden vielen Malern zum Gleichnis eines neuen Lebensgefühls. "Die Straße ist der Salon geworden", bemerkte später Walter Benjamin.

Der Künstler als Mäzen

Caillebotte (1848-1894) war fasziniert von den baulichen Veränderungen in Paris. Von Haus aus wohlhabend war er Zeit seines Lebens auch Mäzen seiner Künstlerfreunde. Ihnen kaufte er immer wieder Bilder ab, wenn sie kein Geld mehr hatten, und stellte diese auch aus, um die Gruppe der Impressionisten bekannt zu machen. Als er starb, besaß er nicht weniger als 67 Meisterwerke von Cézanne, Degas, Manet, Monet, Pisarro, Renoir und Sisley. Kaum vorstellbar, dass sich der Louvre drei Jahre lang wehrte, um diese Sammlung nicht als Ganzes übernehmen zu müssen.

Malerei und Fotografie ergänzen sich

Der fortschrittliche Maler Caillebotte ist eine der Entdeckungen im Museum Folkwang. Nach Paris fahren kann man jederzeit, das Paris der Impressionisten aber, und der zeitgenössischen Fotografen, wie es die Ausstellung "Bilder einer Metropole" vorführt, ist einmalig und in der dialogischen Gegenüberstellung nur im Museum Folkwang zu erleben. Museumsdirektor Hartwig Fischer konnte dafür die besten Kuratorinnen gewinnen: Françoise Cachin, einst Gründungsdirektorin des Musée d`Orsay, und Françoise Renaud vom Musée Carnavalet als Foto-Expertin.

Metropolitane Großbaustelle

Paris, wie wir es heute kennen, ist zwischen 1850 und 1900 entstanden- in abenteuerlicher Beschleunigung unter Napoleon III. und seinem obersten Stadtplaner, dem Baron Georges-Eugène Haussmann. Aus einer fast noch mittelalterlichen Stadt entwickelte der Architekt ebenso genial wie brachial eine modere Metropole. Nicht alle bejubelten sie. Karl Marx geißelte den Vandalismus Haussmanns, "der das historische Paris wegfegte, um dem Paris des Bummlers Platz zu schaffen." Die Maler aber inspirierte die Atmosphäre des Umbruchs. Der Impressionismus entstand gleichsam auf der Großbaustelle.

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