Ausstellungstipp 3
Die wenig bekannten Seiten der Käthe Kollwitz

Seit 25 Jahren ermöglicht die Kreissparkasse Köln das Käthe Kollwitz-Museum in Köln. Zum Jubiläum gibt es eine beeindruckende Ausstellung, die Künstler als Lernende und Suchende vorstellt. Kollwitz greift die Anregungen der französischen Moderne auf und findet ihren Stil. Das lohnt einen Ausflug zwischen den Jahren.
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KÖLN. Käthe Kollwitz (1867-1945), die große deutsche Zeichnerin, kennen die meisten Kunstfreunde als engagierte Mahnerin, die vor dem Elend der Großstadt die Augen nicht verschließt. Zwei Museen, eines in Köln mit dem weltweit größten Kollwitz-Bestand, und eines in Berlin, widmen sich ihrem Werk. Das Kollwitz Museum am Kölner Neumarkt zeigt die Künstlerin jetzt von einer weniger bekannten Seite: wie sich die junge Frau in Paris Anregung sucht, wie sie sich von Paris und der Kunst der Moderne bezaubern lässt. Die vergnüglich anzuschauende Ausstellung "Paris bezauberte mich?" entstand aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des von der Kreissparkasse Köln unterhaltenen Kollwitz Museums.

Neue Techniken, neue Motive

Die Künstlerin aus Berlin ist damals 34 Jahre alt und besucht ihre Freundin, Maria Slavona, die als Malerin in Paris lebt. 1901 war Käthe Kollwitz noch nicht die Kämpferin gegen Krieg, Armut und Tod in strengem Schwarz-Weiß, sondern eine neugierige Frau, die zum ersten Mal in die Weltstadt der zeitgenössischen Kunst aufbrach. Sie war beeindruckt von den Impressionisten, studierte die Werke von Edgar Degas und Pierre Bonnard und experimentierte mit der Farbe. Im Atelier von Théophile-Alexandre Steinlen fasziniert sie die besondere Farbradierung eines Aktes. Zurück in Berlin zeigt sie bei der Berliner Sezession den farbigen Kombinationsdruck "Frau mit Orange", eine Verbindung von verschiedenartigen graphischen Techniken in warmen Braun-Orange-Tönen. Da sieht man die verblüffende Nähe zu Bonnard.

Picassos Bedeutung erkannt

Auf ihren Streifzügen durch Paris entdeckte sie beim Kunsthändler Ambroise Vollard ein frühes Pastell vom 19-jährigen Pablo Picasso, "La Bete", die Darstellung einer brutalen Umarmung. Dieses Motiv griff sie später auf und verwandelte es ins lyrische "Liebespaar stehend". Auf ihre zweiten Reise im Jahre 1904 bleibt sie zwei Monate an der Seine. Tagsüber besucht sie eine Bildhauerklasse an der Académie Julian. Mit einem Empfehlungsschreiben Hugo von Tschudis, dem Direktor der Berliner Nationalgalerie, findet sie Einlass beim verehrten Bilderhauer Auguste Rodin und ist am Ziel ihrer Wünsche.

Kunst kommt von Kunst

Es ist ein Glücksfall zu erleben, wie Käthe Kollwitz mit großen Vorbildern umgeht und ganz Eigenes daraus macht. Ein Beispiel dafür ist das schummrige "Pariser Kellerlokal" unter den Markthallen in farbigen Kreiden und Gouache. Die melancholischen Stimmungen der Figurengruppen erinnert wiederum an den jungen Picasso. "Kunst kommt von Kunst", diese Erfahrung trifft auch auf Käthe Kollwitz zu. Was wäre aus ihr geworden, wenn sie ein Atelier in Paris bezogen hätte, am Puls der Moderne?

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