Austrittswelle
Zehntausende kehren der Kirche den Rücken

Die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche hat in diesem Jahr eine neue Austrittswelle ausgelöst. In einzelnen Diözesen haben bereits mehr als 10 000 Katholiken der Kirche den Rücken gekehrt.
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HB FRANKFURT/MAIN. Eine Umfrage der "Frankfurter Rundschau" in mehreren Bistümern ergab eine erhebliche Zunahme der Austrittszahlen 2010 im Vergleich zum Vorjahr. Besonders dramatisch sei danach die Situation in den Diözesen Augsburg, Rottenburg-Stuttgart und Trier. In Augsburg kehrten bis Mitte Dezember 11 351 Katholiken der Kirche den Rücken, im ganzen Jahr 2009 waren es nur 6 953. Im Bistum Rottenburg-Stuttgart traten bis Mitte November 17 169 Menschen aus der Kirche aus, 2009 waren es 10 619. Im Bistum Trier verließen bis Ende November 7 029 Katholiken ihre Kirche, im ganzen Jahr 2009 waren es 4 583.

Das Erzbistum Berlin, wo der erste große Skandal am Jesuiten-Gymnasium Canisius-Kolleg bekannt wurde, verlor bisher 4 800 Kirchenmitglieder. Das sind nur wenig mehr als im Vorjahr.

Die Bewegung "Wir sind Kirche" warf den Bischöfen vor, die Krise auszusitzen. Nötig sei ein offener Dialog über die strittigen Themen der Kirche, sagte Sprecher Christian Weisner der Zeitung. Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Karin Kortmann, nannte die Entwicklung bei den Austrittszahlen "außerordentlich bedauerlich". Die Kirche müsse dringend an einer "neuen Vertrauenskultur" arbeiten und mehr Laien in die Verantwortung einbeziehen.

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  • Es wäre an der Zeit, endlich mal die noch gültigen Nazigesetze und Vereinbarungen abzuschaffen, insbesondere die mit der Kirche (obwohl viele andere berufsgruppen auch davon profitieren, z.b. Rechtsanwälte). Wir sind der einzige Staat, bei dem die Arbeitgeber als verlängerter Arm des Staates noch die Steuern für die Kirche eintreibt (mal davon abgesehen, dass die Kirche den Aufwand keinem Arbeitgeber vergütet).
    Die befreiung von diesen Nazigesetzen würde uns bestimmt auch ein Stück weit von dem Joch dieser Zeit befreien, das viele noch fühlen und einige nicht müd werden zu erhalten (damit will ich die Nazizeit garantiert nicht schön reden).
    Wenn die alte - aktuelle - Kirche gestorben ist, ist vielleicht Platz für eine neue Kirche, die die botschaft Jesu zeitgemäß interpretiert und lebt! Dann ist die Zeit gekommen, wieder oder erstmals ein zu treten!

  • Die Doktrinen der katholischen Kirche sind unbeweglich und gründen auf den Deutungen der Heilsgemeinschaft Jesu Christi. Das alleinige und abschließende Deutungsrecht obliegt dem Papst, denn er gilt als unfehlbar und unangreifbar. insofern bewegt sich die katholische Kirche nicht und ist nach wie vor in ihrem Herrschaftssystem eine Diktatur. Die katholische Kirche lehnt für ihre Führer die Fortpflanzung ab und widersetzt sich damit der Natur, die auf Fortpflanzung gerichtet ist. Wer die Fortpflanzung und damit verbundenen Handlungen für sich persönlich ablehnt greift zu Ersatzhandlungen, die zu menschlichen Fehlleitungen geführt haben, wie dem Kindesmissbrauch und ihrem Vertuschen. Ermöglicht und gestützt wurde dieses Vertuschen mit dem Konkordat, dem Kirchenvertrag von 1933, vereinbart zwischen Nazideutschland und Vatikan, und dieser Vertrag gilt heute noch. Danach gilt für jeden Priester erstmal die Unschuldsvermutung und für andere der Verleumdungsversuch. Die beweislast wird verdreht, nicht der Priester muss seine Unschuld beweisen, sondern ein Kind seine Anschuldigung. Dieser Auseinandersetzung kann ein Kind noch nicht gewachsen sein. Wenn es der Priester nicht übertreibt, bleibt er unerkannt, auch heute noch. Jedes Kind unterliegt dem Risiko des Missbrauchs und dieses Risiko ist deutlich höher einzuschätzen bei Erwachsenen, die selbst keine Kinder zeugen können oder wollen. Dies wurde nun von einer gewichtigen Personenzahl erkannt und diese Personen ziehen die einzig richtigen Konsequenzen. Der Glaube bleibt jedoch für viele Mitmenschen ein zentraler bestandteil in ihrer Lebensführung. insofern ist ein Wechsel in eine andere Glaubensgemeinschaft nahe liegend, die den Gegebenheiten der Natur eher gerecht wird und dazu gehört neben der Fortpflanzung auch die Einsicht in die Fehlbarkeit von Menschen, auch ihrer höchsten Repräsentanten.
    Als Heimkind wurde ich von 1962-1968 mit dem Anspruch erzogen, es gibt nur eine Religion, den Katholizismus. Jeder der diese Religion nicht ausübt, wird als Heide betrachtet und muss bekehrt werden. Wer sich nicht bekehren lässt, kehrt ein in die Hölle. Solcher Unsinn wirkte leider in den Köpfen der katholischen Führer. Jedes Treffen mit Andersgläubigen diente nur dem Zwecke der bekehrung. Was soll sich daran geändert haben? Nur die Art und Weise, wie versucht wird, zu bekehren. Doch die Demokratie erzieht ihre Kinder zum Mitdenken und zur Selbstverantwortung. Es ist zwar ein langer Prozess, doch er zeigt nun seine Wirkungen. Es folgt nun die Glaubensdemokratie, die Vielfalt des Glaubens beginnt sich durchzusetzen. Jeder kann nun seine ihm genehme Kirchengemeinschaft finden. Denn der Glaube ist und bleibt eine Tugend, die Kraft verleiht, die Einsicht schafft in die überirdischen Kräfte der Natur. Denn der Glaube versetzt berge und Gerechtigkeit gibt es nur bei Gott.

  • Wer braucht die Organisation "Kirche"? Kirche ist für mich nichts anderes als ein jahrhundertealter Verein, seinerzeit gegründet auf dem Rücken der Ärmsten; mit dem Ziel sein Vermögen mit dem Rest der Ärmsten zu mehren. Heutzutage kann niemand ersthaft behaupten das es Gott gibt; der inhalt der bibel ist nichts anderes als die Erzählung einer Geschichte eines kreativen Schreiberlings, inhaltlich und titeltechnisch abgeändert auf die jeweilige Religion. Deshalb ist es eine Farce, das der Staat immer noch die Kirchensteuern eintreibt bzw. Arbeitgeber dazu verdonnert, zwangsweise die " Clubbeiträge " einzutreiben. Die Verzahnung von Kirche und Staat ist mir hier einfach zuviel.

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