Auswahl der Filme ist diesmal sehr strikt
Cannes will Publikum überraschen

Glanz und Stars bleiben die bewährten Zutaten für die Internationalen Filmfestspiele in Cannes. Doch diesmal wollen die Veranstalter künstlerische Akzente setzen und mit Überraschungen auftrumpfen.

HB CANNES. Wenn das jüngste Werk „La Mala Educación“ des Spaniers Pedro Almodóvar am kommenden Mittwoch - außer Konkurrenz - das 57. Festival an der Côte d'Azur eröffnet hat, beginnt der Wettbewerb der nur 18 nominierten Filme um die begehrte Goldene Palme. So machen die Festspiele bereits eines deutlich: Cannes antwortet auf die steigende Flut angebotener Filme mit striktester Auswahl. Auserkoren wurde mit „Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner erstmals wieder ein deutscher Film.

Für das renommierte Festival diese deutsch-österreichische Produktion auszusuchen und nicht „Der neunte Tag“ des Altmeisters Volker Schlöndorff, das bezeugt die deutliche Öffnung hin zu einer jungen Generation der Nachwuchsregisseure. Sicherlich sind die Brüder Joel und Ethan Coen („The Ladykillers“), Emir Kusturica („Das Leben ist ein Wunder“) und auch der Chinese Wong Kar-wai („2046) einmal mehr im Wettbewerb. Insgesamt sind jedoch weniger „Cannes-Veteranen“ präsent sowie mit „nur“ drei Filmen auch weniger französische Produktionen als sonst. Damit ist mehr Platz für junge Talente aus der Welt des Kinos auf anderen Kontinenten.

Der künstlerische Leiter Thierry Frémaux lässt auch sonst erkennen, dass er sich von dem starken Einfluss seines Präsidenten Gilles Jacob und dessen Vorlieben befreit hat. Nicht nur Entdeckungen aus Asien und Lateinamerika, darunter mit „Tropical Malady“ von Apichatpong Weerasethakul der erste thailändische Film, machten „Cannes universell“, lobte die Pariser Presse. Frémaux will auch der Geschichte und der Politik Gewicht geben: US-„Störenfried“ Michael Moore geht mit „Fahrenheit 911“ auf die ihm eigene Weise den Anschlägen von New York und Washington nach. Die brasilianischen „Diarios de Motocicleta“ von Walter Salles zeichnen den Weg eines jungen Studenten nach, der Che Guevara werden sollte, Patricio Guzmán beugt sich (außer Konkurrenz) über das Leben von Salvador Allende.

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