Autorenlesungen
Bonsoire Histoire im Schloss

Drei Schriftstellerinnen waren normale Autorenlesungen zu langweilig. Geboren war „Bonsoir Histoire“ – ein Programm, bei dem neben den Buchinhalten Musik und Filmsequenzen präsentiert werden, begleitet von gutem Essen.
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HamburgDrei attraktive Schriftstellerinnen aus Hamburg mit drei historischen Romanen – das müsste sich doch besser vermarkten lassen als über die üblichen „Wasserglas-Lesungen“, wie Katrin Burseg sie nennt. Gemeint sind die typischen Vorlese-Termine, bei denen ein Autor aus seinem Buch vorträgt, neben sich eine Leselampe und ein Wasserglas. Es war eine dieser Veranstaltungen, bei der Burseg ihre Schriftsteller-Kolleginnen Heike Koschyk und Maiken Nielsen kennen lernte. Alle drei hatten historische Romane verfasst und hatten Spaß daran, sie ihren Lesern persönlich zu präsentieren. Also überlegten sie sich ein Format, mit dem sie ihr Publikum besser unterhalten können.

Ihr Geschäftsmodell heißt „Bonsoir Histoire“ – ein Programm, bei dem neben den Buchinhalten Musik und Filmsequenzen präsentiert werden, begleitet von gutem Essen. Veranstaltungsort sind historische Gebäude, idealerweise Burgen und Schlösser. Die drei Bücher handeln von ganz unterschiedlichen Epochen: Koschyk schreibt über das Vermächtnis der Hildegard von Bingen im Deutschland des 12. Jahrhunderts, Bursegs Roman spielt im Rom des 17. Jahrhunderts, und Nielsens Buch handelt von Intrigen im 19. Jahrhundert in Hamburg.

Premiere hatte „Bonsoir Histoire“ allerdings in einer Buchhandlung. Die Damen traten in Abendkleidern auf und unterhielten die rund 50 Zuhörer auf vielfältige Weise. Vorgelesene Sequenzen wurden von einem Tonband begleitet, entweder durch Musik oder Pferdegetrappel und Blätterrauschen. Zudem wurde ein Film von den Autorinnen gezeigt, sie gaben Einblicke in die Entstehungsgeschichten ihrer Romane und plauderten über Frauenfreundschaften in der Literaturszene. „Bonsoir Histoire war eine herausstechende Veranstaltung“, sagt Sabine Langohr, die den Abend in der Buchhandlung Stories organisiert hat. „Es war eher eine mondäne Abendveranstaltung als eine Lesung.“

„Uns ist es wichtig, dass wir das Ganze unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern machen“, sagt Bur-seg. „Wir stellen uns auf die Bühne, weil wir Spaß daran haben, uns und unsere Bücher zu präsentieren.“ Nach Meinung von Fachleuten ist das eine gute Herangehensweise, um Aufmerksamkeit zu erlangen und letztendlich mehr Bücher zu verkaufen. „Es gibt jedes Jahr eine Fülle von Autoren mit ihren Neuerscheinungen, von denen sich viele über Lesungen präsentieren wollen. Um aus der Menge herauszustechen, muss man sich etwas Besonderes einfallen lassen“, sagt Stefanie Stein vom Literaturbüro Politycki & Partner. „Und es fällt auf, dass sich das Publikum mehr Eventlesungen wünscht.“

So wie die Lesungen des Autorenduos Michael Kobr und Volker Klüpfel über ihren „Kommissar Kluftinger“. Ein gutes Beispiel für eine echte Show, meint Stefanie Stein, weil sie sogar „Comedy-Elemente“ beinhalten. Wichtig sei, dass die Art des Events zum Buch und seinen Inhalten passt. Bei „Bonsoir Histoire“ sei das ihrer Meinung nach der Fall, der Erfolg der Premiere in der Buchhandlung zeige dies. Seit jüngstem vertritt ihre Agentur das Autoren-Trio. „Jeder Veranstalter will sichergehen, dass sich sein Raum füllt und die Lesung somit ein Erfolg wird“, sagt Stein. Mit drei Ladys, die bei einem Drei-Gänge-Menü in alten Gemäuern ihre historischen Romane präsentieren, habe man zumindest schon die halbe Miete.


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