Avantgarde
Starke Künstlerinnen - zu Unrecht vergessen

Die Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen feiert die weibliche Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts.
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DüsseldorfSie haben die Kunst ab 1915 mit Siebenmeilenstiefeln nach vorn gebracht. Künstlerinnen der Avantgarde sind vehement für eine Ästhetik der Moderne eingetreten. Hannah Höch (1889-1978) hat sogar das Küchenmesser an die militarisierte Weimarer Gesellschaft gelegt und in Fotomontagen die Lügen des Bürgertums seziert. Dafür hat sie spät einen Platz in der Kunstgeschichte gefunden, nicht aber in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Dort ist stattdessen ihr männlicher Kollege Kurt Schwitters mit gesellschaftskritischen Collagen vertreten.

Die herausragenden Künstlerinnen der Zwischenkriegszeit, Dadaistinnen, Surrealistinnen und Vertreterinnen einer radikalen Abstraktion fehlen nicht nur in der hochgelobten Kunstsammlung NRW. Auch in anderen deutschen und europäischen Museen hat der männliche Blick der Direktoren den Ankauf von Werken aus Künstlerinnenhand nur allzu häufig verhindert.

Hier setzt die erhellende Ausstellung „Die andere Seite des Mondes“ in der Kunstsammlung NRW selbstkritisch an. Kuratorin Susanne Meyer-Büser hat acht Künstlerinnen der Avantgarde ausgewählt, die miteinander befreundet waren und deren Œuvres Verbindungen aufweisen.

Die meisten Ausstellungsbesucher dürften den Multimedia-Arbeiten von Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) schon einmal begegnet sein. Vom antibürgerlichen Dadaismus kommend, hat die Schweizerin ihr Formrepertoire minimalisiert und durch treffliche Farbwahl Stimmungen erzeugt. Taeuber-Arp hat mit anderen für die Straßburger Bar „Aubette“ lebhafte Farbquadrate nicht nur über die Wände, sondern gleich auch über Boden und Decke gezogen. Ein begehbares Modell des heute noch überzeugend coolen Raumes bildet den gelungenen Auftakt der Ausstellung.

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