Bai Ling spielt in dem Film „Dumplings“ Köchin und Verführerin
Immer schön brav

Von einer Tänzerin der Roten Armee in Tibet schaffte es Bai Ling zur Titelfigur des amerikanischen Playboys. Kein Wunder, dass die Lebensgeschichte der chinesischen Schauspielerin schräger als die meisten ihrer Drehbücher klingt.

Nur die Idee zu „Dumplings – Delikate Versuchung“, dem schwarzhumorigen neuen Hongkong-Film des Regisseurs Fruit Chan, ist noch durchgeknallter. In diesem stilistisch berauschenden, inhaltlich aber schwer verdaulichen Horrorstreifen spielt die 34-Jährige die geheimnisvolle Köchin Mei, die sagenhafte Verjüngungsmixturen braut – aus schockierenden Zutaten.

Menschliche Embryos, so behauptet Mei, sind das potenteste Mittel für ewige Jugend. Und ihre beste Kundin, Mrs. Li (Miriam Yeung), eine verblassende Schönheit, will nichts unversucht lassen, um ihren abenteuerlustigen Ehemann (Tony Ka-Fai Leung) zurückzugewinnen. Also verlangt sie mehr und mehr von Meis gruseligen Klößen („dumplings“), und immer wirksamer soll die Rezeptur sein.

Fruit Chans Film ist eine ätzende Satire auf den Perfektionswahn und seine Ausprägungen – von der modernen Stammzellenforschung bis hin zu den Mythen der antiken chinesischen Medizin.

Doch Bai Ling, die für ihre Darstellung den Hongkong Filmpreis gewann, war sofort Feuer und Flamme. „Mich reizten die Dreistigkeit und die Extreme dieser Figur“, sagt Bai Ling, die zum Interview als schriller, schwarz-pinker Edelpunk erscheint. „Ein wenig kommt sie einem vor wie eine schelmische Zen-Buddhismus-Meisterin. Ihre Offenheit, Freiheit, Lebensfreude und Energie gefallen mir total.“

Bai Ling, Tochter eines Professoren-Ehepaars aus der Provinz Szechuan, steht diesen Kontrasten kaum nach. Sie tanzte nicht nur als 14-Jährige in Tibet für chinesische Soldaten, sondern verbrachte einen Teil ihrer Jugend in einer Psychiatrie in Peking, und sie war Zeuge des Tiananmen-Massakers.

Als sie 1997 mit Richard Gere den China-kritischen Thriller „Red Corner“ drehte, entzog die Regierung ihr den Pass. Seit 1999 ist Bai Ling amerikanische Staatsbürgerin. Sie hatte Affären mit dem Regisseur Luc Besson und dem Sänger Chris Isaak. Sie legte sich mit George Lucas über den Herausschnitt ihrer „Star-Wars“-Rolle an. Und ihre Eltern wissen bis heute nichts von den schönen Nacktfotos, die die Juniausgabe der Herrenzeitschrift zierten.

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