Bassgitarren
Ganz noble Saiten

Jens Ritter fertigt Bassgitarren wie Maßanzüge. Detailversessen schnitzt der Deidesheimer Instrumentenmacher die luxuriösesten Bässer der Welt. Manche der Ritter-Royals werden sogar beim Juwelier verkauft.

DÜSSELDORF. Genießer kennen diese Straße. Rechter Hand erhebt sich der imposante Hof des Reichsrats von Buhl, der beinahe einen Block einnimmt, etwas weiter weist das schmiedeeiserne Schild des Deidesheimer Hofs den Weg zu kulinarischen Höchstleistungen. Dazwischen tummeln sich noch Dr. Deinhardt oder das über 300 Jahre alten Gut Georg Siben Erben. Doch mitten in all der Deidesheimer Reben- und Saumagenseligkeit übersieht man schnell ein besonderes Schmankerl. Denn auf der Weinstraße residiert einer der bemerkenswertesten Instrumentenmacher Deutschlands.

Jens Ritter steht in der schattigen Toreinfahrt und weist den Weg in einen idyllischen Hinterhof. Eine Stiege führt hinauf in den Showroom. Gleich am Eingang steht eine Vitrine mit einer Ud, einer arabische Laute. Der gewölbte Korpus ist auf der Rückseite mit Blattgold beschichtet, auf den zweiten Blick erkennt man goldene Einlegearbeiten und einen Diamanten auf der Front. "Eine arabische Fluggesellschaft hat sie für ihre Luxus-Lounge geordert", sagt der 36-Jährige mit dem Stoppelschnitt und der schmalen, schwarz umrandeten Brille. Ein Auftrag, der selbst für Ritter aus dem Rahmen fällt, denn eigentlich ist sein Geschäft weniger traditionell. Er baut Bassgitarren, zugegebenermaßen aber die teuersten der Welt.

Angefangen hat das alles schon in frühesten Jugendjahren. Mit 12, 13 Jahren begann Ritter mit dem Bassspielen, für ein neues Instrument reichte sein Geld nicht, also kaufte er sich ein gebrauchtes - und zudem recht dürftiges. Kreativität wächst aus Herausforderungen, also modifizierte er nach und nach sein altes Gerät. Mit jedem Feilen und Abschleifen, Auseinanderbauen und Ersetzen lernte er dazu, wie was funktioniert, warum was wie klingt. Und nach ein paar Jahren war er so vertraut mit der Materie, dass er einen eigenen Bass bauen wollte. Ausgehend von einem einfachen Block Holz. "Ich habe zwei Instrumente fertiggestellt. Dann wollte ich wissen, was sie taugen. Also bin ich bei einem Redakteur von ,Gitarre&Bass? vorbeigefahren und habe ihn nach seiner Meinung gefragt", sagt er, und man merkt ihm noch heute die Begeisterung, den Stolz und gleichzeitig die Verletzbarkeit des Überzeugungstäters an. Der Redakteur war überrascht, schrieb einen Testbericht, und plötzlich riefen Bassisten bei ihm an und wollten einen Ritter.

Heute kommen 50 bis 60 Bässe pro Jahr aus der Werkstatt, in der Ritter mit einem Angestellten immer noch eigenhändig schleift, fräst, schraubt und veredelt. An der Decke des alten Werkstattraums hängen mintgrüne Dämmplatten, ein Bollerofen im Format eines Ölfasses lässt erahnen, dass die Arbeitsbedingungen hier im Winter hart sein können. Mit einer Raspel schleift Ritter einen noch eckigen Korpus in Form. Er besteht aus zwei Holzlagen: Ahorn und Pappel. Bevor der Instrumentenbauer die Hölzer auswählt, gibt es intensive Vorgespräche. Denn jeder Kunde bekommt bei Ritter einen Bass, der auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist wie ein Maßanzug. Zunächst macht sich Ritter ein Bild vom Sound, den der Kunde will - aggressiv-funky oder eher weich und jazzig. Danach geht es um die Optik, die besonders die Frontseite haben soll. Im Idealfall gehen gewünschter Sound und Optik zusammen. "Bei diesem Bass wollte der Kunde einen Pappel-Bass mit einem knackigen Sound. Da müssen wir tricksen." Pappel klingt träge, deshalb nimmt Ritter ein Holz, das schneller schwingt, und leimt eine Decke aus Pappel darauf. "Die ist dann nur noch zu zehn Prozent für den Klang verantwortlich." Erfahrungen, die der Autodidakt mit vielen Versuchen und einigem Abfallholz erkaufte. Heute klopft er auf Holz, bevor er die Säge auspackt: Anhand des Klopftons kann er auf den späteren Klang des Instruments schließen.

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