Beckett, Rohwolt, Chomsky
Bücher der Woche

Simon Beckett begibt sich erneut auf die Suche nach einem Mörder, Harry Rowohlt veröffentlicht seine Briefe, Noam Chomsky bietet Anlass für tiefen Pessimismus und Mario Vargas Llosa rechnet ab. Die Bücher der Woche.
  • 0

Berlin/München/Cambridge/ZürichSein Erstling „Chemie des Todes“ machte Simon Beckett zum Star der Krimi-Szene. Jetzt hat der Brite den fünften Teil der Reihe über den Forensiker David Hunter vorgelegt und führt seine Leser tief ins Dunkel der Backwaters - eine zu Recht gruselige Wasserlandschaft.

Jahrelang mussten Krimi-Fans warten, jetzt bringt der britische Schriftsteller Simon Beckett einen neuen Roman über Dr. David Hunter auf den Markt. Es ist der fünfte Teil der Reihe nach dem fulminanten Start mit „Chemie des Todes“ und den drei nicht mehr ganz so fulminanten, aber dennoch überaus erfolgreichen Fortsetzungen „Kalte Asche“, „Leichenblässe“ und „Verwesung“. Fünf Jahre hat Beckett für den fünften Teil gebraucht, der unter dem Titel „Totenfang“ zuallererst in Deutschland erscheint, weil der Autor hier so erfolgreich ist wie nicht einmal in seiner britischen Heimat.

„Jede Hunter-Fortsetzung hat immer etwas länger gedauert. Das ist ein Muster, aus dem ich wirklich gerne ausbrechen würde“, sagt Beckett im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das sei aber gar nicht so einfach. „Man will ja nicht in jedem Buch immer wieder das gleiche machen.“

Becketts Bücher sind bekannt für rasante, unvorhergesehene Wendungen, bei denen man stets nur eins sicher sagen kann: Der Mörder ist eine Überraschung. Ein nicht zu unterschätzendes Gut in der Krimi-Szene. „Ich muss also jedes Mal das Rad neu erfinden“, sagt Beckett.

Dieses Mal schickt er Hunter, diesen - nach seiner tragischen Familiengeschichte verständlich - etwas verkorksten Mediziner, der nicht (mehr) darauf aus ist, den Lebenden zu helfen, sondern den Toten ihre Geheimnisse entlocken will, in ein ungastliches Mündungsgebiet in der englischen Grafschaft Essex. Dort, wo die Grenzen zwischen Wasser und Festland zerfließen, wird eines Tages eine Leiche entdeckt.

Die Ermittler sind sich sicher, dass es sich um den Sohn eines reichen Aristokraten handelt, der seit Wochen verschwunden ist - ebenso wie seine Geliebte. Es passt einfach zu gut: Der 31-jährige Leo Villiers hat erst seine Geliebte umgebracht - und dann sich selbst. Denn auch die Frau, Emma Darby, ist spurlos verschwunden. Nur Hunter hat seine Zweifel an dieser Theorie. Und diese Zweifel bekommen schnell Nahrung, weil die erste Leiche nicht die letzte ist, die die gruseligen Backwaters frei geben.

Hunter, stets „ein Fremder an einem fremden Ort“, wie sein Schöpfer Beckett sagt, bleibt, um mit seiner wenig appetitanregenden Arbeit als forensischer Anthropologe, den Toten ihre dunklen Geschichten zu entlocken. Dass er sich dabei ausgerechnet bei der Familie der Vermissten einquartiert, fällt ihm zu spät auf. Trotzdem kommt er der hübschen Rachel, der Schwester der Vermissten, näher.

„Streckenweise habe ich wirklich gedacht: Das wird nichts - obwohl ich David Hunter als Charakter sehr mag und es mir großen Spaß macht, über ihn zu schreiben“, sagt Beckett. Das Ergebnis kann sich seiner Ansicht nach aber durchaus sehen lassen.

Kommentare zu " Beckett, Rohwolt, Chomsky: Bücher der Woche"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%