Bei den Academy-Awards konkurrieren die Top-Filme miteinander
Duelle beleben die Oscar-Verleihung

Eine Oscar-Kategorie „bester Moderator der Gala- Show“ gibt es nicht. Dennoch ist Hollywood gespannt, ob Chris Rock als neuer Zeremonienmeister eine goldene Trophäe oder eine rote Karte verdient. Der freche Stand-Up-Komödiant gibt bei der 77. Verleihung in der Nacht zum Montag (28. Februar) sein Oscar-Debüt.

HB HOLLYWOOD. Die ganze Welt will er zum Lachen bringen, verspricht Rock, doch viele zittern schon vor seinem Witz, der gerne unter die Gürtellinie und an den Kragen der großen Stars geht. Gut, dass die Oscar-Show mit fünf Sekunden Verzögerung für die Eingriffe der Zensoren übertragen wird, lästerte der Afroamerikaner vorab. Als „Trapezkünstler“ freue man sich über dieses Fangnetz.

Der Wirbel um einen neuen Oscar-Look und frischen Wind für die „zu steife“ Show, wie Chef-Produzent Gil Cates es verspricht, hält Hollywood genauso in Atem, wie das mögliche Duell von „Aviator“ und „Million Dollar Baby“. Im Wettkampf um höhere Einschaltquoten und jüngere Zuschauer sind kleine Streitereien vor dem Oscar-Countdown gerade recht. So tönten Protestrufe aus der ehrwürdigen Akademie über die neuen Regeln für einen „strafferen Ablauf“, wonach einige Gewinner in den technischen Sparten ihren Oscar nicht auf der Bühne sondern am Sitzplatz erhalten sollen.

Dieses Schicksal bleibt Clint Eastwood und Martin Scorsese erspart, denn die wichtigen Oscars, etwa für Regie und Darsteller, holt man sich nach alter Tradition auf der Bühne ab. Dass einer der beiden Hollywood-Veteranen den Regie-Oscar gewinnt, ist so gut wie sicher. Mit 11 Nominierungen tritt Scorseses Filmbiografie „Aviator“ über den exzentrischen Flug- und Filmpionier Howard Hughes als großer Oscar-Favorit an. Eastwoods „Million Dollar Baby“ um Leben und Sterben einer Profi-Boxerin steigt mit sieben Nominierungen in den Ring. Als Kandidaten mit mehrfachen Gewinnchancen gehen die Peter- Pan-Fabel „Wenn Träume fliegen lernen“, „Ray“ über den blinden Soul- Sänger Ray Charles und die Tragikomödie „Sideways“ ins Rennen.

Nach sieben Nominierungen, darunter für „GoodFellas“ und „Gangs of New York“, ist ein erster Oscar für Scorsese längst überfällig, doch Eastwood hat Kampfvorteile, glauben die Kritiker. Neben Alterspunkten hat der 74-jährige Hollywoodstar auch die Sympathie seiner Schauspiel-Kollegen, die als größte Gruppe der 5800 Mitglieder starken Filmakademie die meisten Stimmen abgeben. Vorab steckte Eastwood bereits den Golden Globe und den Preis der Regisseurs-Gilde ein.

Einen doppelten Gewinn dürfte ihm Jamie Foxx streitig machen. Foxx, der sich überzeugend in Ray Charles verwandelt, und Eastwood als wortkarger Boxtrainer sind in der Kategorie „Bester Schauspieler“ nominiert. Chris Rock schärfte den Oscar-Juroren schon vor Wochen ein, er werde es nicht zulassen, dass Foxx ohne eine Trophäe den Saal verlässt. Noch hat keiner widersprochen. Ein „déjà vu“ in der Damen- Riege liefern sich Annette Bening („Alle lieben Julia“) und Hilary Swank („Million Dollar Baby“), die bereits vor fünf Jahren beide als beste Schauspielerinnen antraten. Die damals unbekannte Swank konnte sich mit „Boy's Don't Cry“ gegen den „American Beauty“-Star durchsetzen.

Was dem Fantasy-Epos „Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs“ in 2004 gelang - 11 Nominierungen in 11 Oscars zu verwandeln - ist für „Aviator“ ein Griff nach den Sternen. Die Hobbit-Saga begeisterte Millionen und spielte an den US-Kinokassen über 375 Millionen Dollar ein. Mit Einnahmen von 84 Millionen Dollar ist „Aviator“ weit von der magischen 100-Millionen-Dollar-Schwelle und der „Auszeichnung“ als Kino-Hit entfernt.

Die Fantasy-Vorherrschaft wird in diesem Jahr von wahren Schicksalen und historischen Figuren abgelöst. Zu Ray Charles und Howard Hughes gesellen sich der schottische Autor James M. Barrie („Wenn Träume fliegen lernen“), die wahre Geschichte eines Hotelbesitzers, der während des Völkermords in Ruanda viele Menschen rettet („Hotel Ruanda“) - und die deutsche Oscar-Hoffnung „Der Untergang“, in dem Regisseur Oliver Hirschbiegel die letzten Tage in Hitlers Führerbunker schildert. In der Kategorie „nicht englisch- sprachiger Film“ gilt aber der spanische Beitrag „Das Meer in mir“ als Favorit - der Fall eines querschnittsgelähmten Spaniers, der Jahrzehnte lang um sein Recht auf den Tod kämpfte.

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