Bekleidung
Projekt macht Konfektionsgrößen realistischer

Viele Frauen kennen das: Sitzt die Hose an den Oberschenkeln perfekt, kneift sie in der Taille. Schmiegt sie sich wie eine zweite Haut an die Rundungen der Hüfte an, schlabbert sie unten.

dpa GIEßEN. Viele Frauen kennen das: Sitzt die Hose an den Oberschenkeln perfekt, kneift sie in der Taille. Schmiegt sie sich wie eine zweite Haut an die Rundungen der Hüfte an, schlabbert sie unten.

Damit soll nach dem Projekt „Size Germany“ Schluss sein: Durch die Vermessung von 12 000 Frauen, Männern und Kindern in ganz Deutschland sollen die Konfektionsgrößen an die Wirklichkeit angepasst werden. Als erster Standort in Hessen nimmt die Universität Gießen an der Reihenmessung teil. In den Räumen der Professur für Prozesstechnik in Lebensmittel- und Dienstleistungsbetrieben steht eins der vier Lasergeräte, die seit September 2007 durch Deutschland wandern.

Bei der Vermessung wird eine Laserlinie auf den Körper projiziert. Von oben nach unten erfasst sie die Körperform. Mithilfe von acht Digitalkameras wird die Form aufgenommen und am Computer ein „digitaler Zwilling“ des Probanden erstellt. Dazu müssen sich die Teilnehmer bis auf die Unterwäsche ausziehen. Nach der Messung erfahren die Probanden, welche Konfektionsgröße sie haben.

„Am schwierigsten ist es für mich, eine gut sitzende Hose zu finden“, sagt Deborah Peine. Die Psychologie-Studentin im fünften Semester macht bei der Messung mit, weil sie hofft, dass sie danach später beim Einkaufen leichter passende Kleidungsstücke findet. In vier verschiedenen Körperhaltungen wird sie gemessen. Ihr Gewicht und ihre Körpergröße werden nicht von dem Lasergerät erfasst, die müssen mit Maßband und Waage ermittelt werden. Eine Vermessung dauert ungefähr zehn Sekunden. Danach muss Deborah Peine am Computer noch einen Fragebogen ausfüllen. Dabei wird abgefragt, welche Konfektionsgrößen sie bisher gekauft hat.

Durchgeführt wird das Projekt von den Hohensteiner Instituten und der Firma Human Solutions. „In den Industrieländern werden die Menschen immer größer. Nun wollen wir feststellen, wie ihre Figur sich verändert“, sagte der Ingenieur Martin Rupp, der bei den Hohensteiner Instituten das Projekt leitet.

Die Hohensteiner Institute führen solche Messungen schon seit 50 Jahren im Auftrag von Bekleidungsindustrie und -handel und der Automobilindustrie durch. Die letzte Reihenmessung bei Frauen hat im Jahr 2000 im Auftrag der Miederwarenindustrie stattgefunden. „Dabei haben wir festgestellt, dass 50 Prozent der Frauen die falsche BH-Größe tragen“, sagte Rupp.

Die letzte Vermessung von Männern liegt schon länger zurück. Die Veränderung ihrer Körpermaße wurde seit den 70er Jahren nicht mehr überprüft. „Da erwarten wir große Überraschungen“, sagte der Ingenieur. Denn damals wurde noch per Hand mit dem Maßband gemessen. „Das Lasergerät ist viel genauer.“ Die Messung an der Universität Gießen läuft noch bis zum 21. Dezember. Zurzeit wird außerdem in Bonn, Kaiserslautern und Bönnigheim gemessen. Danach wandern die Lasergeräte nach Dresden und Ravensburg. Bis Ende 2008 soll das Projekt abgeschlossen sein.

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