Berlin Art Week
Gemeinsam werben, getrennt marschieren

Die zeitgenössische Kunst trifft sich zum Schaulaufen in Berlin. Auf der „Berlin Art Week“ erwarten die Besucher feine Ironie des Schönheitskults sowie humorvolle Häkelskulpturen. Ein Rundgang.
  • 0

BerlinMit der „Berlin Art Week“ haben sich alle beteiligten Galerien, Messen und Kunstinstitutionen ein neues Etikett geschaffen. Die Inhalte haben sich kaum verändert. Gemeinsam werben, getrennt marschieren, ist die Losung. Wenigstens eines ist besser geworden: Der Overkill der Veranstaltungen wird durch die Entzerrung der Galerie-Vernissagen spürbar gemindert. In diesem vielstimmigen Reigen spielen die Messen „abc art berlin contemporary“ und „Preview“ eine Hauptrolle. Im alten Postbahnhof am Gleisdreieck, der sich jetzt Station-Berlin nennt, hat sich die abc ein weniger strenges Gesicht als im letzten Jahr verpasst.

Auch die Gesamtqualität ist besser. Module in Glattwand und L-Format fördern das erfreulich offene Erscheinungsbild, nur die Möbel sind überall gleich: Alle 129 Aussteller aus 18 Ländern (die meisten davon aus Österreich) müssen sich des „Stool 60 Pure“ von Alvar Aalto bedienen. Eine Novität, die sehr zu begrüßen ist, sind große Schilder mit den Namen der Künstler und Galerien.

Die neue Arbeit von Sylvie Fleurie, mit der die abc in ihrer Internetwerbung auf eine Galerieschau bei Mehdi Chouakri hinweist, wäre ein spektakulärer Messebeitrag gewesen. Ein Pfau posiert vor einer vaginal sich öffnenden Streifenwand, auf der die Neonschrift „High Heels on the Moon“ leuchtet, ergänzt durch die Beinote „Moisturizing is the Answer“. Das ironisiert den weiblichen Schönheitskult, aber es lässt sich auch auf die Messe selbst beziehen, die sich schon jetzt um ein frischeres Gesicht bemüht und im nächsten Jahr mit der messeerfahrenen neuen Direktorin Maike Cruse möglicherweise ein völlig neues Image erhält. Wenn noch mehr internationale Galerien teilnehmen würden, könnte die Schau eine echte Messe-Alternative werden.

Die abc findet in diesem Jahr eine perfekte Balance zwischen Altmeistern der Contemporary Art, wie sie etwa François Morellet mit seinen kinetischen Reliefs bei Wolfgang Werner oder Timm Ulrichs mit seiner transparenten Holzarchitektur „Konzert der Türen“ (Galerie Wentrup) repräsentieren, und den Jungen der Szene. Fotografie ist wieder stark vertreten. In eisiger Schönheit prangen Axel Hüttes bildgewaltige Ditone Prints von Gletschern und Grotten am Stand von Wilma Tolksdorf (26 000 bis 28 000 Euro). Bei Kicken fesselt die Serie von Aufnahmen, die Hans-Christian Schink von Tsunami-Zerstörungen in Japan gemacht hat (7 000 bis 12 000 Euro).

Kommentare zu " Berlin Art Week: Gemeinsam werben, getrennt marschieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%