Berlin Auktion
Preußens Kunst wird immer attraktiver

Ein englischer Bieter trägt das Top-Los von Lempertz’ „Berlin Auktion“ nach Hause. Ansonsten gehen die meisten Objekte an geschichtsbewusste deutsche Sammler.
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BerlinLempertz zeigt wieder Präsenz in der Hauptstadt. Für die jüngste „Berlin Auktion“ am 12. Oktober 2013 hatte das Kölner Haus 230 Lose zusammengetragen, die allesamt einen mehr oder minder engen Bezug zum preußischen Erbe hatten. Kein abgehobenes, aber durchweg sammelwürdiges Material, das alte und neue Vertreter einer geschichtsbewussten Käuferschicht anzieht. Die Versteigerung lief wesentlich besser als ihre Vorgängerinnen im selben Saal. Stärker als sonst stieg das Ausland in das Bietgefecht ein, doch die meisten Stücke gingen an deutsche Sammler. Der Erlös von 650.000 Euro entspricht 112 Prozent der unteren Gesamtschätzung.

Gleich das erste Los, das Ganzporträt des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg des Dresdner Renaissance-Malers Zacharias Wehm ging für brutto 26.400 Euro geradezu wohlfeil an die Preußischen Schlösser und Gärten. Das folgende Stillleben mit erlegtem Wild des in Potsdam tätigen Hendrik de Fromantiou sicherte sich das Bonnefantenmuseum Maastricht für 16.800 Euro. Es gab eine Reihe von Käufern, die sich telefonisch mehrere Lose zuschlagen ließen, vor allem bei den Email-Tabatieren und KPM-Porzellan. Hier wurde einer der höchsten Preise für einen Teller aus dem ersten Potsdamer Service Friedrichs des Großen geboten: 15.600 Euro (Schätzpreis: 8.000 bis 10.000 Euro).

Royale Porträtminiaturen sind sehr gefragt

Unerwartet teuer wurden Porzellanbilder der Periode um 1840. Die Plakette mit der Ansicht der Rheininsel Nonnenwerth wanderte für 26.400 Euro nach Wien, die seltene Darstellung eines Biedermeier-Interieurs ging gegen Potsdamer Untergebote für 48.000 Euro nach England. Ein blaugrundiger Tondo mit den Bildnissen der Familie Friedrich Wilhelms III. wurde für 14.640 Euro deutlich über der Taxe zugeschlagen. Von den Tassen, Tellern und Formstücken, die 2007 in der Christie’s-Auktion einer Privatsammlung unverkauft blieben, konnten jetzt die meisten zu moderateren Preisvorstellungen abgesetzt werden. Ein 24-teiliges königliches Speiseservice mit Kurländer Muster und Streuröschen blieb trotz niedriger Schätzung (15.000 bis 25.000 Euro) unverkauft.

Teuerstes Eisenguss-Objekt wurde das 53 cm hohe Denkmal des Generals Graf Bülow, das ein österreichischer Sammler für 13.200 Euro erwarb. Stark gefragt waren die Porträtminiaturen mit Bildnissen der preußischen Königsfamilie. Zwei Kniestücke mit den Prinzen Friedrich Heinrich und August Ferdinand in Feldherrnpose erzielten mit 26.400 Euro das Zehnfache der Schätzung.

Moderate Preise für Berliner Sezessionsmaler

Bei den abschließend ausgebotenen Gemälden Berliner Künstler der Epoche 1890 bis 1933 gab es keine Preisexzesse. Die meisten der Berliner Sezessionisten sind ja immer noch unterbewertet. 15.600 wurden für „Kurische Boote am Strand“ von Bruno Krauskopf und 15.600 Euro für die von dem Historienmaler William Pape protokollierte „Trauerfeier für Adolph Menzel“ geboten. Schon vorher hatte der aus einer Berliner Sammlung eingereichte, auf 27.000 bis 30.000 Euro geschätzte „Grunewaldsee“ von Walter Leistikow 34.160 Euro erlöst. Es war das beste Bild der Auktion.

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