Berlin ohne Kunstmesse
Art Forum Berlin und abc vor Fusion

Berlin hat demnächst wohl keine Kunstmesse mehr. Das Art Forum Berlin steht in seiner jetzigen Form offenbar vor dem Aus. Es soll es in dem gemeinsam betriebenen Format Art Berlin Contemporary aufgehen.
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BerlinDas Art Forum Berlin, die 1995 auf Initiative westdeutscher Galeristen gegründete Veranstaltung, hat sich unter seiner Direktorin Eva-Maria Häusler offensichtlich weitgehend mit der 2008 von Berliner Kollegen ins Leben gerufenen Art Berlin Contemporary (abc) auf eine Fusion geeinigt. Beide Parteien verhandeln noch um Detailfragen.

Noch möchte man die jeweiligen Trümpfe aber wohl nicht aus der Hand geben und äußert sich etwas spärlich: „Art Forum Berlin und abc stehen in Gesprächen über einen gemeinsamen Termin und eine gemeinsame Veranstaltung.“ Konkret würde das nach unbestätigten Angaben bedeuten: Vom 7. bis 11. September 2011 eröffnet die „Art Berlin Contemporary“ den internationalen Kunstherbst. Das Datum stammt von der Galeristen-Veranstaltung, deren aufgelöste Abkürzung „abc“ auch den Titel gab, nur in Kleinschreibung. Das Messegelände ist zu diesem Termin allerdings belegt. Dazu passt die offizielle Erklärung: „Über einen Veranstaltungsort unabhängig vom Messegelände wird nachgedacht, die 'Station' wurde angefragt“. An dieser Location im ehemaligen Paketbahnhof am Gleisdreieck fand 2008 die erste Ausgabe von abc statt.

100 Soloshows zum Thema Malerei

Bei Größe und Konzept wird man sich wohl ungefähr in der Mitte treffen. Rund 100 Galerien sollen ebenso viele Künstler in einer noch zu entwerfenden Ausstellungsarchitektur präsentieren. Kuratorische Unterstützung käme von außerhalb, um das wohl eher als Leitmotiv zu verstehende abc-Motto „About painting“ umzusetzen.

Dass das Art Forum Berlin in der bekannten Form endet, kommt für Insider nicht überraschend, sehr wohl aber sein Weiterleben. Nach dem Abgang von Co-Direktor Peter Vetsch im April wollten die Gerüchte nicht mehr verstummen, die Deutschlands einziger Branchenschau ausschließlich für zeitgenössische Kunst ein baldiges Ableben prophezeiten. Zu groß war der Widerstand führender Berliner Galerien um die Organisatoren von Gallery Weekend Berlin und abc, zu gering die internationale Strahlkraft der Messe. Als besonders hinderlich wurde der von der Messegesellschaft vorgegebene Termin Anfang Oktober empfunden, seit die Londoner Frieze sich unmittelbar danach als weltweite Attraktion positioniert hatte.

Mit der neuen Eintracht in der Hauptstadt würden Messe und Galeristen einen jahrelangen Streit beenden, der von außen schon lange eher mit Verwunderung beobachtet wurde und stark an Kölner Verhältnisse der 1990er Jahren erinnerte. Immerhin scheint man sich jetzt soweit einig: „Die Stärkung des Standortes Berlin steht für alle Beteiligte an erster Stelle.“

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