Berlinale
Goldener Bär für peruanisches Filmdrama

Erneut hat ein Film aus Lateinamerika überraschend auf der Berlinale triumphiert. Mit Claudia Llosas Drama "Die Milch des Leidens" startete erstmals ein Film aus Peru im Wettbewerb - und holte gleich den Goldenen Bären. Und auch ein deutscher Film holte konnte einen Preis gewinnen.

HB BERLIN. Im vergangenen Jahr hatte der actionreiche brasilianische Film "Eliteeinheit" von José Padilha gewonnen. "Die Milch des Leidens" ("The Milk Of Sorrow") von der erst 32-jährigen Llosa, einer Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa, ist dagegen ein ruhiger Film, der am Beispiel der jungen Frau Fausta (Magaly Solier) von den Folgen des Jahre zurückliegenden Terrorregimes in Peru erzählt. Sie leidet an einer rätselhaften Krankheit, die dem Mythos zufolge durch die Milch von Müttern übertragen wird, die während der Schwangerschaft vergewaltigt wurden.

Llosa zeigt in ihrem erst zweiten Spielfilm die Lebensfreude wie auch den kargen Alltag in dem Andenstaat und arbeitet die bedrückende Vergangenheit auf. Zwischen 1980 und 2000 sollen bei Massakern linker Guerilla-Organisationen und der Regierung bis zu 70 000 Menschen ermordet, Tausende Frauen sollen vergewaltigt worden sein. "Ich bin wirklich froh und glücklich, einfach überwältigt", meinte Llosa bei der Siegerehrung am Samstagabend. Mit ihrer Wahl setzte die siebenköpfige Jury, die von der schottischen Schauspielerin Tilda Swinton geleitet wurde, abermals ein politisches Ausrufezeichen.

Lateinamerika stellte noch einen weiteren strahlenden Sieger: Gleich drei Auszeichnungen konnte der Film "Gigante" des argentinischen Regisseurs Adrian Biniez einheimsen. Wie "Alle Anderen" bekam die Produktion den großen Preis der Jury zugesprochen. Zudem konnte sich das Filmteam über den Alfred-Bauer-Preis und die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung für den besten Erstlingsfilm freuen. Biniez erzählt die Geschichte eines Wachmanns, der sich in einem Supermarkt via Überwachungskamera in die Putzfrau verliebt.

Erfolgreich war in diesem Jahr auch wieder der deutsche Film. Das Beziehungsdrama "Alle Anderen" von Regisseurin Maren Ade holte zwei Silberne Bären. Die 32-jährige Ade erzählt in ihrem zweiten Spielfilm humorvoll die Geschichte eines ungleichen deutschen Paares, das auf Sardinien Urlaub macht und eine tiefe Krise durchleidet. Minichmayr, die am Wiener Burgtheater spielt, stellt eine starke Frau dar, die alles daran setzt, ihrem Freund Chris (Lars Eidinger) zu gefallen. Die beiden Frauen waren sichtlich gerührt. "Mich macht das wahnsinnig glücklich", sagte Ade. Minichmayr sagte: "Es ist toll, wenn man einen Filmpartner hat, der, wenn es zu intimen Szenen kommt, gut riecht und auch noch gut küsst - natürlich alles professionell."

Der zweite Beitrag eines deutschen Regisseurs, Hans-Christian Schmids Politthriller "Sturm", ging dagegen leer aus. Zwei weitere Mitfavoriten mussten sich mit Silbernen Bären trösten. Der Regisseur des Antikriegsfilms "The messenger", Oren Moverman, erhielt zusammen mit Alessandro Camon die Trophäe für das beste Drehbuch. "London River" von Rachid Bouchareb stellte nach Ansicht der Jury mit dem in Mali geborenen Sotigui Kouyate den besten Hauptdarsteller. Kouyate spielt einen Vater auf der Suche nach seinem Sohn nach den Londoner Terroranschlägen 2005. 

Ein Silberner Bär für die beste Regie ging in den Iran. Asghar Farhadi zeigt in "About Elly" ("Über Elly") ein sehr modernes, cooles Iran. Für Hollywood-Produktionen gab es nichts zu holen. Sie hatten vielmehr die Aufgabe, der Berlinale Glanz zu verleihen - was gelang. Renée Zellweger, Demi Moore und Michelle Pfeiffer erfüllten ihre Aufgabe brav. So glamourös wie 2008 war die diesjährige Ausgabe jedoch nicht. Damals sorgten Rock- und Pop-Legenden wie die Rolling Stones, Madonna und Neil Young für Aufregung. Trotzdem zog Festival-Direktor Dieter Kosslick eine positive Bilanz. Mit rund 270.000 verkauften Tickets sei ein neuer Publikumsrekord erzielt worden. Heute geht die 59. Berlinale mit einem Publikumstag zu Ende.

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