Berlinale
Szenenapplaus für „Deutschland 09“

Humorvoll, kritisch, aggressiv und depressiv: 13 deutsche Regisseure haben sich daran gemacht, ein Porträt ihres Landes auf die Leinwand zu bringen. Sie präsentierten "Deutschland "09, 13 kurze Filme zur Lage der Nation" auf der Berlinale. Für den 140-minütigen Film gab es Szenenapplaus. Er läuft allerdings außer Konkurrenz.

HB BERLIN. Das Projekt knüpft an ein berühmtes Vorbild an. 1978 reflektierten unter anderen Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff in "Deutschland im Herbst" über die damals von Terror und Protesten geprägte Bundesrepublik. Dieses Mal sind so unterschiedliche Künstler wie Tom Tykwer, Fatih Akin, Dani Levy, Wolfgang Becker, Angela Schanelec, Dominik Graf, Sylke Enders, Hans Steinbichler, Hans Weingartner, Isabelle Stever,Christoph Hochhäusler, Romuald Karmakar und Nicolette Krebitz dabei.

Irgendwann sei das Boot einfach voll gewesen, begründete Tykwer diese Auswahl. Regisseure wie Hans-Christian Schmid hätten zudem andere Drehs gehabt. Der Film vereine ein gutes Dutzend individuelle filmische Blicke auf das, "was wir heute und jetzt als Heimat erleben - und wie wir uns in diesem Land verorten, verirren, verstricken". Die Reihenfolge der Episoden sei von der Cutterin vorgeschlagen worden, sie habe die "übergreifende künstlerische Beratung" gehabt. Das Projekt gehe auf ein Gespräch mit Fernsehredakteuren zurück.

Die Vorgaben für die Regisseure waren, dass sie ihre persönliche Wahrnehmung und eigene filmische Sicht auf das heutige Deutschland darstellen sollten. Der Beitrag durfte nicht länger als zwölf Minuten dauern. Ansonsten waren sie in der Gestaltung völlig frei. So entstanden experimentelle, essayistische, abstrakte und konkrete Beiträge. Repräsentativ ist dieser Blick nicht, soll und kann es auch nicht sein.

Merkel beim Psychiater

So zeigt beispielsweise Levy eine absurde Komödie, in der er selbst mitwirkt und ein deutsches, von einem Psychiater verschriebenes Heilmittel einnimmt, das die schlechte Stimmung vertreibt. Sein Sohn fliegt davon, landet auf dem Schreibtisch von Kanzlerin Angela Merkel, die am Ende selbst auf der Couch sitzt.

Akin zeigt ein Interview mit dem ehemaligen Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz, der sich bitterlich über den ehemaligen Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier beklagt und erklärt, diesem niemals verzeihen zu können. "Ich wollte, dass der Fall nicht vergessen wird. Das war auch ein deutscher Skandal", sagte Akin.

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