"Bermudas sind mein Zuhause"
Das letzte Blumenkind des Pop

Würde Woodstock heute stattfinden, Heather Nova wäre dabei. Zum Verkaufsstart ihres neuen Albums „Storm“ sprach die 35-Jährige mit dem Weekend Journal über die Suche nach der Wahrheit, ihre Jugend und die Liebe zum Meer.

Ihr neues Album heißt „Storm“, musikalisch erinnert es aber eher an einen lauen Abend am Meer.

Stimmt schon, „Storm“ ist, was die Instrumentierung betrifft, ein sehr leises Album geworden. Sturm setzen wir gemeinhin mit Verwüstung gleich, manchmal aber kann er doch ganz heilsam sein und die Luft reinigen. So beschreibt „Storm“ auch eher den Zustand nach einem emotionalen Unwetter. Das in Unordnung geratene Gefühlsleben kann durch einen solchen Ausbruch wieder zurechtgerückt werden.

Das Element Wasser spielt eine große Rolle in Ihrem Werk. Das zeigen Songtitel wie „Aquamarine“ . . .

Wasser ist mein Lebenselixier. Ich bin auf einem Boot groß geworden, als ich mit meinen Eltern in der Karibik kreuzte. Seit damals habe ich großen Respekt vor den Naturgewalten, und das Meer ist auch heute noch eine der wenigen Konstanten in meinem Leben. Wenn ich mich etwa zum Songwriting zurückziehe, dann suche ich mir stets einen Platz am Meer dafür aus.

Also war dieses Album eine Art Katharsis für Ihre Seele?

Eigentlich ist jedes meiner Alben eine Aufarbeitung dessen, was sich gerade in meinem Leben ereignet. Und ich glaube, dass meine Songs manchmal so intim sind, dass sie den ein oder anderen Zuhörer durchaus verschrecken. Dagegen kann ich aber nichts machen, denn beim Schreiben geht es für mich nun einmal darum, die eigenen Dämonen auszutreiben und der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

An anderer Stelle haben Sie davon gesprochen, dass Sie in Ihren Songs versuchen, „Versuchung, Sehnsucht und Schuld“ aufzuarbeiten.

Das stimmt, es geht mir besonders um die Gefühle, die in einer langen Beziehung immer auftauchen können. Man ist lange mit jemandem zusammen, den man zu lieben glaubt, und dann entwickeln sich plötzlich auch Gefühle für eine andere Person.

Und dann?

Genau das frage ich mich in meinen Songs auch. Versuchung ist etwas, das die Gesellschaft Frauen gemeinhin nicht unbedingt zugesteht. Was aber macht eine Frau mit solchen Gefühlen, muss sie sich wirklich schuldig fühlen für ein Gefühl, für etwas, das man nur schwer steuern kann?

Viele Ihrer Songs handeln von zerbrochenen Gefühlen und unerfüllter Liebe. Sind Sie ein unglücklicher Mensch?

Nein, im Grunde bin ich sogar ein sehr positiv denkender Mensch. Wenn ich über etwas singe, dass auch andere Menschen schon durchlebt haben, dann macht das die Einsamkeit kleiner, die uns alle umgibt. Glück und Leid sind Momente im Laufe eines Lebens, die mit nahezu hundertprozentiger Gewissheit einander ablösen. Und in diesem Wissen liegt für mich ein gewisser Friede.

In „Lets Not Talk About Love“ heißt es „Ich weiß nicht, ob ich dich liebe“ und „Liebe ist etwas, das ich nicht verstehe“. Das klingt doch ein wenig nach Resignation.

Das finde ich nicht. Vielleicht werde ich niemals in meinem Leben wirklich wissen, was Liebe tatsächlich bedeutet; aber ich werde dennoch niemals aufhören, mir selbst diese Frage immer wieder zu stellen und nach einer Antwort zu suchen. Vielleicht macht mich erst das auch zu einem Songwriter, dass ich die Dinge, das Leben und die Liebe immer wieder aufs Neue in Frage stelle. Wissen Sie, ich schreibe Songs nicht, weil ich die Antworten bereits hätte, sondern, weil ich die Antworten immer noch suche.

Haben Sie die Hoffnung, einmal alle Antworten zu kennen?

Songwriting ist ein Prozess, manchmal findet man eine Antwort, manchmal werden die Zweifel nur noch größer.

Gibt es einen Ort, den Sie Heimat oder Zuhause nennen?

Ich habe zwischenzeitlich 15 Jahre in London und später auch noch in den Staaten gelebt. Letztes Jahr aber bin ich auf die Bermudas zurückgekehrt. Heute weiß ich, dass hier mein Zuhause ist. Irgendwann kehren wir wohl alle dorthin zurück, wo wir einmal hergekommen sind.

Auch der Sound auf „Storm“ wirkt sehr back to the roots.

Stimmt, es ist ein sehr sparsamer, ja naturalistischer Sound. Ich wollte ein solches Album schon immer machen, war dazu aber nicht in der Lage, weil ich immer irgendwelchen Verträgen ausgeliefert war. Diesmal war alles anders. Als ich mich entschloss, „Storm“ mit Freunden einzuspielen, hatte ich nicht einmal eine Plattenfirma. Also konnte mir auch niemand vorschreiben, dass ich nun mit diesem oder jenem Produzenten zusammenzuarbeiten hätte.

Das Gespräch führte Andreas Kötter.

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