Bertelsmann-Buchclub
Das blaue Sofa und die schwarzen Zahlen

Ob Schriftsteller Bret Easton Ellis, Philosoph Peter Sloterdijk oder Kabarettist Dieter Hildebrandt, der jüngst seine Memoiren herausbrachte - der Bertelsmann-Buchclub präsentiert sich auf der Frankfurter Buchmesse als Hort der Literatur und will so in die Gewinnzone zurückkehren.

FRANKFURT. Am Gang der Halle 5 zur Halle 6 auf der Frankfurter Buchmesse herrscht dichtes Gedränge. Wartende Besucher versperren den Weg. Die Sitzplätze reichen längst nicht aus, als der Münchener Kabarettist Dieter Hildebrandt auf dem Blauen Sofa Platz nimmt. Der Mann mit dem beißenden Humor, der jahrzehntelang mit scharfer Zunge die Unzulänglichkeiten deutscher Politik seziert hat, fühlt sich trotz der stickigen Luft auf der in die Jahre gekommenen Coach sichtlich wohl. Auf dem Blauen Sofa des Bertelsmann-Buchclubs Platz nehmen zu dürfen, ist für einen Autor ein Ritterschlag.

Auf dem Sofa haben viele Größen der Kultur und Unterhaltung gesessen. Der Schriftsteller Cees Nooteboom genauso wie der Philosoph Peter Sloterdijk, die Soziologin Elisabeth Noelle-Neumann oder der Musiker James Last - und eben auch Dieter Hildebrandt. Dieser präsentiert seine Memoiren "Ich musste immer lachen".

Für den Buchclub des Medienkonzerns Bertelsmann ist das Möbelstück auf der größten Buchmesse der Welt die ideale Bühne, um sich als Hort der Literatur zu verkaufen. "In Deutschland müssen wir den Club stärker kulturell verankern. Viel zu wenige wissen, dass der Buchclub eine kulturelle Institution ist", sagt Fernando Carro. Der Dauer-Optimist aus Spanien ist seit Ende vergangenen Jahres Chef des deutschen Buchclubs von Bertelsmann. Carro soll das Sorgenkind des Gütersloher Medienkonzerns nach acht Jahren endlich wieder aus den roten Zahlen führen. "Wir werden in diesem Jahr schwarze Zahlen abliefern", verspricht der energiegeladene Manager.

Die Aufgabe ist diffizil. In diesem Jahr werden nach Unternehmensangaben bis zu zehn Prozent der Mitglieder dem Club den Rücken kehren. "Wir werden am Jahresende dennoch über drei Millionen Mitglieder haben", ist sich Carro sicher. Sein Publikum will er künftig enger an die Buchgemeinschaft binden, um die Treue zum Club zu verlängern. Das Blaue Sofa, das der Club auf der Frankfurter Buchmesse zusammen mit dem ZDF und der Wochenzeitung "Die Zeit" einsetzt, spielt dabei eine Schlüsselrolle. "Wir werden das Blauen Sofa noch häufiger nutzen", kündigt Carro an. Im November wird beispielsweise auf dem literarisch umgewidmeten Sitzmöbel der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder Platz nehmen und seine mit Spannung erwarteten Erinnerungen präsentieren.

Ob die Marketing-Offensive ausreicht, um den Club nach vielen Jahren dauerhaft aus der Krise zu führen, steht in den Sternen. Doch Carro hat bei Bertelsmann schon Erfolge vorzuweisen: Er hat den spanischen Club "Circulo de Lectores" zu einer Ertragsperle gemacht. Dort gleicht die Buchgemeinschaft einer Ehrenloge der Literatur.

Demnächst eröffnet der Club nach Madrid sogar ein weiteres konzerneigenes Kulturzentrum in Barcelona. Rund zwei Prozent der Umsätze in Spanien werden für diese Art der Literaturförderung ausgegeben, heißt es bei Bertelsmann. Davon kann der deutsche Club aber nur träumen. Hier darf die Charme-Offensive so gut wie kein Geld kosten. "Wir haben immer noch das erste Sofa in Betrieb, auch wenn das Blau ein wenig schrill ist", sagt eine Mitarbeiter auf der Buchmesse über das sieben Jahre alte Möbelstück. Daran wird sich angesichts der Kostendrucks beim Club auch in Zukunft nichts ändern.

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