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Bestellte Wahrheiten

Inge Kloepfers Buch über Friede Springer erzählt die Geschichte des "Bild"-Konzerns neu

Für Leo Kirch hatte die stellvertretende Aufsichtsratschefin Friede Springer immer ein freundliches Lächeln übrig. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Axel Springer AG am 24. September 2002 ging die Verlegerwitwe mit dem ungeliebten Großaktionär Kirch um, wie es sich für eine Dame mit Charme gehört.

Die beiden beobachteten im großen Saal des 19. Stocks des Berliner Springer-Hochhauses aufmerksam, wie sich ihre Mitarbeiter gegenseitig die Köpfe einschlugen. Springer-Chef Mathias Döpfner bürstete während der neunstündigen Versammlung die Juristen-Truppe aus München ab.

Kirch setzte eine Sonderprüfung durch. Hintergrund: Der Springer-Verlag hatte Ende Januar 2002 eine Verkaufsoption über 767 Millionen Euro für seine Beteiligung (11,5 Prozent) an der Senderkette Pro Sieben Sat 1 ausgeübt. Kirch sollte die Summe überweisen. Diese Forderung löste eine akute Finanzkrise der Kirch-Gruppe aus und führte am Ende zum Zusammenbruch des Medienimperiums. Kirchs Juristen wollten damals klären, warum der Springer-Vorstand die Kirch-Gruppe in die finanzielle Schieflage gebracht hatte. Wie die Geschichte am Ende ausging, ist bekannt: Springer siegte, Kirch verlor alles.

2005 ist Friede Springer nach der Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn die mächtigste Medienfrau in Deutschland. Sie, die einst als Kindermädchen in der Villa von "Bild"-Gründer Axel Cäsar Springer begann, verstand es schon immer, mit der Öffentlichkeit umzugehen. Über Jahrzehnte lebte die einstige Geliebte und spätere Frau des charismatischen Medienunternehmers von der Unterschätzung. Wie hartnäckig und zielstrebig sie ihre Interessen durchzusetzen vermag, davon können Manager, Erben und Gegenspieler ein Lied singen - auch Leo Kirch. Nachdem die Schlacht um Europas größten Printkonzern entschieden ist, schreibt Friede Springer, das friesische Mädchen von der Nordsee-Insel Föhr, an ihrer eigenen Lebens- und Unternehmensgeschichte. Besser gesagt, die heutige Mehrheitsgesellschafterin lässt schreiben.

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