Bestseller-Autor Ken Follett
„Wenn ich keine Lust habe, schaue auf den Kontoauszug“

30 Millionen Dollar Vorschuss für ein Buch. Das ist ein neuer Superlativ. Es gibt wohl nur einen Autor, der solche Konditionen aushandeln kann: Ken Follett. Und sein neues Werk „Sturz der Titanen“ kann die hohen Erwartungen erfüllen – sowohl beim Blick in die Bestsellerlisten als auch beim Lesen. Worum es in dem 1000-Seiten-Wälzer geht und wie es zustande gekommen ist.
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DÜSSELDORF. Bücherschreiben als Schichtarbeit? Kein Problem für Ken Follett. Der 61-Jährige beginnt um halb acht und hört um 16 Uhr auf, egal wie spannend die Szenerie gerade ist. Doch nicht nur das ist untypisch für einen Romancier: Der Brite liebt seinen Maserati und achtet mehr aufs Geld, ist ein Meister der Selbstdarstellung und lässt sich natürlich beim Finanziellen nicht lumpen: Rund 100 Mio. Dollar soll er bereits mit seinen Büchern verdient haben. Und sein neues Werk „Sturz der Titanen“ lässt diese Summe wachsen und wachsen.

Und das zurecht. „Sturz der Titanen“ ist ein großartiges Buch. Geschichte auf die spannendste aller Arten erzählt. Es ist eine Familiensaga, die 1911 beginnt und 1989 enden wird. Von der armen Bergarbeiterfamilie bis zum König und reichen Adeligen ist alles vertreten und wunderbar ineinander verwoben. Ort der Handlung ist zwar grundsätzlich die ganze Welt, von den USA über Russland bis Europa. Aber im Wesentlichen spielt die Szenerie in Großbritannien.

Follett bezahlte einem Historiker 1000 Dollar Tageshonorar, damit er ihn mit gutem Material und Interviews versorgt. Ein Jahr hat Follett recherchiert, und das spürt der Leser auf jeder Seite: Deswegen ist die historische Welt so authentisch, in der sich die Figuren bewegen. Man fühlt sich 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt. 20 Fachleute haben das Werk verifiziert.

Dem Leser fällt es leicht, Follett zu folgen. Die Anzahl der auftretenden Personen ist geschickt gewählt. Seine handwerkliche Klasse macht eben auch aus, dass man immer weiß, wer gerade spricht und worum es geht – und das bei immerhin 200 Namen, die einem begegnen. Die Zeitsprünge sind wunderbar eingearbeitet. Eben alle gemäß der Follett-Formel, die er immer wieder erwähnt: Das Buch soll dir Mühe machen, nicht dem Leser. Oder anders gesagt: „Wenn meine Leser einen Satz von mir zweimal lesen müssen, bin ich ein Versager“, wie Follett der „Welt am Sonntag“ sagte.

Gerade das zeichnet übrigens auch das Hörbuch aus. Wer auf langen Dienstfahrten im Auto oder Zug Ablenkung braucht, für den ist die gesprochene Fassung ideal. Bisweilen hat man das Gefühl, dass diese Form der Darbierung für Autoren wie Follett oder Dan Brown erfunden wurde. Der Hörer wird traurig sein, wenn das Ziel der Reise erreicht ist und der CD-Spieler ausgeht. Und der Einstieg nach eine Pause fällt bei Follett wie üblich sehr leicht.

Der Brite lässt sich seine Erzählkunst brav honorieren: Einen Vorschuss von 30 Mio. Dollar bekommen zu haben, bestreitet er nicht. Solche Summen seien „ein Hebel, um den Verlegern Beine zu machen“. Denn nur so würden sie die Marketingmaschinerie in dem Maße anwerfen, dass ein Buch zum ganz großen Erfolg wird. Bei kaum einem anderen Projekt ist in dieser Hinsicht so viel passiert wie beim „Sturz der Titanen“.

Wer die rund 1000 Seiten durch hat, findet es schade, dass es vorbei ist. Doch es gibt ja eine gute Nachricht: Die Familiensaga geht weiter, zwei Drittel kommen noch. Bis 2014 muss Follett sie geschrieben haben, so lautet der Vertrag. Er wird das wie gewohnt von halb acht bis vier Uhr nachmittags bewältigen. Und wenn er mal keine Lust hat? Follett selbst sagt, dann schaue er eben auf seinen Kontoauszug. Warum auch nicht? Immerhin kam Follett als 19-Jähriger zum Schreiben – aus Geldmangel, weil er gerade Vater geworden war.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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