Beuys-Vermächtnis
Bizarrer Streit um Fotos einer Fettecke

Vor knapp 50 Jahren fotografierte Manfred Tischer, wie Joseph Beuys aus Margarine ein Kunstwerk schuf - live im TV. Um die Bilder ist unlängst ein Urheberrechtsstreit entbrannt: Zwischen Beuys-Witwe und Beuys-Museum.
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DüsseldorfFür viele Zuschauer der ZDF-„Drehscheibe“ dürfte die Sendung im Jahr 1964 höchst befremdlich gewesen sein. Der skandalträchtige Künstler Joseph Beuys stellte aus Margarine-Riegeln eine Fettecke her, malte mit Schokolade ein Transparent und verlängerte einen Spazierstock mit Fett. Das alles konnten die Zuschauer schwarz-weiß auf dem Bildschirm verfolgen - wenn sie denn schon ein Fernsehgerät zu Hause hatten.

Der Fotograf Manfred Tischer fotografierte die exzentrische Performance. Bald 50 Jahre später sind die Aufnahmen der bizarren Fettecken-Aktion Auslöser eines ebenso seltsamen Urheberrechtsstreits. Dabei sind die wichtigsten Protagonisten längst tot. Beuys starb 1986, Tischer 2008. Erschwerend kommt hinzu: Von der ZDF-Sendung existiert keine Aufzeichnung mehr.

Um das Urheberrecht an den Aufnahmen streiten sich das Beuys-Museum Schloss Moyland am Niederrhein und die Witwe Eva Beuys. Moyland hatte die 19 Fotos der Fettecken-Aktion 2009 nach einer einstweiligen Verfügung aus einer Ausstellung abhängen müssen. Das Landgericht Düsseldorf bestätigte das Ausstellungsverbot auch im Hauptverfahren. Die Richter sahen in den Aufnahmen eine „Umgestaltung des bewegten Originalwerks ins Statische“ und sprachen damit das Urheberrecht Eva Beuys zu.

Moyland hätte also Eva Beuys um Erlaubnis für die Ausstellung der Tischer-Fotos fragen müssen. Das Museum legte dagegen Berufung ein. Sollte der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht, Wilhelm Berneke, an diesem Freitag das Urteil bestätigen, dann bliebe der Gang zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe - darüber müsste das Land Nordrhein-Westfalen als Mitglied der Moyland-Stiftung mitentscheiden.

Man könnte den abseitig wirkenden Fettecken-Fall als einen weiteren Nadelstich in dem seit Jahren schwelenden Streit zwischen der Künstlerwitwe und Moyland um das Werk von Beuys sehen. Inzwischen aber geht es ums Prinzip. Der Fall hat eine solche Dynamik angenommen, dass er weitreichende Folgen für die künftigen Rechte von Fotografen haben könnte, die dokumentarische Aufnahmen von Happenings, Theater- oder Musikaufführungen machen wollen.

„Es ist wirklich schwierig“, sagt der Moyland-Anwalt und Urheberrechtsexperte Simon Bergmann. Denn es geht um zwei Urheberrechte - die von Fotografen und die von Künstlern. Die Frage im konkreten Fall ist, wie weit sich die Fotos von der ursprünglichen Fettecken-Aktion entfernt haben.

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VG Bild-Kunst in der Kritik

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  • Solange es Schwachköpfe gibt, die derartigen Blödsinn für Kunst halten, darf man sich nicht wundern, dass das viele Geld, das man damit machen kann, die Leute auch zu bizarren Rechtsstreitigkeiten verführt...

  • Joseph Beuys (Jahrg. 1921) gehörte spätestens seit 1936 der Hitlerjugend an. Dort dem HJ-Bann 238 /Altkreis Kleve. 1941 meldete sich Joseph Beuys freiwillig zum Dienst in der Luftwaffe. Im Mai 1941 folgte eine Ausbildung zum Bordfunker in Posen. Juni 1942 kam Joseph Beuys bei den Luftkämpfen um Sewastopol zum Einsatz.Ab Mai 1943 kämpfte Joseph Beuys als Bordschütze und Funker im sogenannten Protektorat Böhmen und Mären. Beuys avancierte zum Unteroffizier. Ab Sommer 1943 diente Joseph Beuys der Luftwaffe des Dritten Reiches an der östlichen Adria, mit Waffentests auf der Basis Foggia. Im Anschluss wurde Beuys über der Krim eingesetzt. Am 16.März 1944 wurde seine JU 87 abgeschossen. Am 07.Apr. 1944 wurde Beuys aus dem Militärlazarett entlassen. Schon im August 1944 fand Beuys wieder Verwendung- diesmal als Fallschirmjäger an der Westfront. Beuys war mittlerweile zum Feldwebel aufgerückt. Beuys erkämpfte das Abzeichen der Fliegerschützen, das Eiserne Kreuz 2. Klasse, das eiserne Kreuz 1. Klasse und das Goldene Verwundetenabzeichen. Erst einen Tag nach der Kapitulation ergab sich Beuys in britische Gefangenschaft... Am 19.September 1959 heiratete Joseph Beuys die Studentin ( Kunsterziehung) Eva-Maria Wurmbach

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