Bewährte Oldies und wenig Zeitgenössisches bringen gute Auktionsergebnisse in New York
Der Foto-Hype scheint vorbei

Die Fotografie hat sich längst emanzipiert und zweifellos erfolgreich eingereiht im Kanon der bewährten Sammelgebiete – der „Hype“, der ungebremste Kaufrausch, ist hingegen weitergezogen und gastiert derzeit bei der Malerei und beim Design.

NEW YORK. Es ist ruhiger geworden auf dem Fotomarkt. Was vor wenigen Jahren noch auf Hochglanz poliert im Fokus der internationalen Auktionsöffentlichkeit blitzte, findet sich heute zurechtgestutzt auf Polaroid-Format. Die Fotografie hat sich längst emanzipiert und zweifellos erfolgreich eingereiht im Kanon der bewährten Sammelgebiete – der „Hype“, der ungebremste Kaufrausch, ist hingegen weitergezogen und gastiert derzeit bei der Malerei und beim Design.

So fand sich – ähnlich wie dieser Tage auf den Kunstmessen – auch auf den New Yorker Fotoauktionen nur wenig zeitgenössische Fotografie. Insbesondere Christie’s und Sotheby’s gehen auf Nummer sicher und bieten überwiegend bewährte Namen des 20. Jahrhunderts. Der Sprung in den Auktionskosmos ist jungen Fotografen derzeit nur ganz vereinzelt vorbehalten. Gregory Crewdson gehört dazu, Anna Gaskell oder auch die Deutsche Loretta Lux.

Dabei gingen die Angebotsstrategien der Auktionshäuser voll auf. Allesamt, auch Phillips, hatten sich mit ihren Taxen zurückgehalten und durften sich mit den Ergebnissen voll zufrieden zeigen.

Traditionell mit dem stärksten Konvolut war Sotheby’s am 27.4. angetreten. Und erneut – inzwischen fast schon wie gewohnt – zählte Diane Arbus zu den absoluten „Outperformers“. 553 600 Dollar brutto brachte etwa die berühmte „Box of Ten Photographs“, wohlgemerkt posthume Prints des getreuen Assistenten Neil Selkirk, gefolgt von einem „Child with a Toy Hand Granade“, aufgenommen im New Yorker Central Park 1962 (144 000 Dollar). Auch Edward Steichens Porträt von Gloria Swanson setzte zum erwarteten Höhenflug an (273 600 Dollar), genauso wie Hiroshi Sugimotos „Brooklyn Bridge“ (2001), die 168 000 Dollar erbrachte. Zunehmend gefragt auch bei Sotheby’s waren dann die Fotografien Frederick Sommers (1905 - 1999), während die Deutsche Vera Lutter (geb. 1960) am Mittwoch eher zu den Auktions-Flops zählte. Insgesamt konnte Sotheby’s bei einer hohen Zuschlagsquote von fast 90 Prozent so knapp 5 Mill. Dollar einspielen.

Getoppt wurde das Ergebnis dann von zusätzlichen 782 000 Dollar für Fotogramme Lászlo Moholy-Nagys aus der Sammlung Prakapas. Lediglich sieben der insgesamt neun angebotenen Unikate wurden verkauft, was zweifellos enttäuschen musste. Die beste Arbeit, bezeichnet als „F78“ und entstanden 1926, kam auf 240 000 Dollar; Sotheby’s hatte die Taxe mit bis zu 300 000 Dollar angegeben.

Spitzenpreise für bewährte Namen dann auch auf der Session von Christie’s am 26.4., von Edward Weston bis hin zu William Eggleston. Weiterhin steigende Werte verzeichneten im Rockefeller Center die Blumenstillleben Robert Mapplethorpes genauso wie die Modefotografie von Peter Lindbergh, der mit einer Arbeit aus dem Jahre 1992 vertreten war. Taxiert auf 20 000 bis 30 000 Dollar, schoss die Aufnahme von Helena Christensen und Marie-Sophie Wilson in Montmartre auf knapp über 100 000 Dollar.

Und der feine Preisunterschied zwischen „Vintage Print“ und späterem Abzug wurde bei Christie’s dann eindrucksvoll am Beispiel Arbus deutlich. So kam auch hier der berühmte Junge mit der Handgranate auf den Block. Als signiertes Exemplar aus den Sechzigern kostete das Bild dann allerdings gleich über 400 000 Dollar und damit fast dreimal so viel wie bei der Konkurrenz.

Ebenfalls weit oberhalb der Taxe (90 000 bis 120 000 Dollar) ging ein komplettes Set mit sämtlichen Ausgaben der legendären Fotozeitschrift „Camera Work“ von Alfred Stieglitz aus den Jahren 1903 bis 1917 für insgesamt 284 000 Dollar in Museumsbesitz.

Christie’s sollte mit seinem Ergebnis am Dienstag fast punktgenau die 5-Mill.-Dollar-Marke treffen, und auch Phillips mit einem Umsatz von 2,3 Mill. Dollar lag bereits nach der Abendveranstaltung am 27.4. gut im Rennen und konnte das selbst gesteckte Umsatzziel sogar noch übertreffen. Zu den Spitzenlots zählte hier neben einer „Buchenlandschaft“ von Albert Renger-Patzsch (114 000 Dollar) das Porträt eines westfälischen Bauern aus dem Jahre 1925, das in Chelsea mit 106 000 Dollar dotiert wurde

.

Neben Lee Friedlander und Robert Frank war dann auch bei Phillips einmal mehr der Amerikaner Frederick Sommer gefragt. So erzielte dessen Porträt des Künstlerfreundes Max Ernst aus dem Jahre 1946 einen Preis von 51 600 Dollar und damit gut doppelt so viel wie veranschlagt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%