Bezahlsender Sky
Harald Schmidt ohne Quotendruck noch zynischer

Seit Dienstagabend wirkt Harald Schmidt beim Bezahlsender Sky. Die Show ist geblieben, wie sie war, aber es zeichnet sich ab: Jetzt frönt der einstige Chef-Zyniker entschlossener denn je seinen Leidenschaften.
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KölnHarald Schmidts erste Show beim Bezahlsender Sky ist für eingeschworene Fans natürlich etwas Besonderes. Deshalb ist das Studio, in dem das Programm einige Stunden vorher aufgezeichnet wird, am Dienstagabend voller Kenner. „Hat sich die Brücke verändert?“, fragt jemand in Reihe 4. „Im Internet sah es so aus, als ob der Hintergrund jetzt lila ist.“ Aber keine Sorge, es ist alles geblieben wie es war: die Fototapete mit dem Köln-Panorama, der Schreibtisch und die abgewetzten Klappsessel für die Zuschauer.

Am Vormittag waren noch Karten zu haben, aber jetzt ist alles voll. „Du erinnerst dich an bittere Sat-1-Zeiten, als das Studio noch nicht mal zur Hälfte gefüllt war?“, fragt ein junger Typ im T-Shirt aus Reihe 3. Ja, da erinnert sich sein Freund noch dran. Aber heute Abend ist es nur noch eine traurige Erinnerung.

„Das Warming-up beginnt in wenigen Sekunden“, sagt eine Stimme. Aber dann wird es plötzlich ganz dunkel. „Hat da jemand sein Sky-Abo nicht bezahlt?“, witzelt es aus Reihe 1, und in leicht abgewandelter Form wird der Scherz kurz darauf auch weiter hinten gemacht. Dann endlich tritt der Meister auf.

Ungefähr zehn Minuten haben ihn die Zuschauer im Studio nun für sich allein, und in dieser Zeit lachen sie am meisten. „Helge Schneiders Lebensgefährtin hat geheiratet - aber nicht ihn.“ Gottschalk geht zu Bohlen: „Naja, wir können es uns alle nicht aussuchen.“ Dann beginnt die Sendung, und Schmidt plaudert weiter über die lieben Kollegen.

Anschließend kommt einer seiner wechselnden Sidekicks mit dazu, der Moderator Klaas Heufer-Umlauf. Aber der Funke zwischen beiden springt nicht über, vor allem deshalb, weil Heufer-Umlauf auch selber Witze machen will. Harald Schmidt braucht aber Sidekicks, die sich selbst völlig zurücknehmen. Eine Kunst, die Manuel Andrack in Vollendung beherrschte. Neuere Interviews lassen allerdings darauf schließen, dass sich dabei im Laufe der Jahre einiges an Unmut angestaut hat.

Dann kommt die Werbepause und danach der zweite Teil der Sendung, der mit dem ersten rein gar nichts zu tun hat. Denn ab jetzt werden keine Witze mehr gemacht, ab jetzt widmet sich Harald Schmidt seiner großen Leidenschaft, der klassischen Musik. Schmidt-Beobachter wissen natürlich: Der Spötter, der Chef-Zyniker, der sonst alles und jeden niedermacht, vergeht vor Ehrfurcht, sobald sich ein halbwegs anerkannter Schostakowitsch-Interpret einstellt. An diesem Abend hat er gleich zwei herausragende Musikerinnen zu Gast, die Cellistin Sol Gabetta und die Pianistin Hélène Grimaud.

An ihrer Seite wird Dirty Harry ganz soft. „Reisen Sie getrennt oder reisen Sie zusammen an?“ fragt er. Und: „Hören Sie Musik auf der Reise?“ Während dieses Interviews wird klar: Vom Quotendruck befreit, macht Schmidt seine Sendung jetzt wirklich nur noch für einen - sich selbst. Am Ende sein großer Auftritt: Er darf der Pianistin die Notenblätter umschlagen. Hochkonzentriert tut er das. Dann ist die Sendung vorbei.

„Und, wie fandste?“, fragt einer aus Reihe 4. „Jojo“, kommt als Antwort. Der Intonation nach zu urteilen, heißt das: Naja, eben wie immer. Die Sender mögen wechseln, die „Harald Schmidt Show“ bleibt wie sie ist.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Fakt ist wohl: Nur 20.000 haben die Sendung gestern tatsächlich gesehen. Das ist ein Marktanteil von 0,1 Prozent. Und die Kritik fällt überwiegend negativ aus. Selbst eingefleischte Schmidt-Fans auf Facebook äußern sich zum größten Teil nicht begeistert, wie dieser Artikel zeigt: http://tinyurl.com/cl855lh

  • Schade, würde ich gerne sehen, aber dafür kaufe ich mir kein Sky-Abo. Wenns den Download für 1 Euro oder so gäbe, würde ich ihn wohl auch kaufen.

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