Bieber, Madonna und Co.
Im Netz überleben nur Stars

Millionen-Aufrufe bei Youtube statt Demo-Tapes, Rundum-Vermarktung statt Plattenvertrag – bei der Suche nach zukunftsträchtigen Verdienstmodellen in einer kriselnden Branche drohen Künstler auf der Strecke zu bleiben.
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Düsseldorf/BerlinFür die Suche nach dem künftigen Star gönnt sich Tim Renner auch schon mal den Luxus vergangener Zeiten. Wie vor ein paar Wochen, als der Motor Music-Chef inkognito in Zürich einen Musikclub besuchte. Dort spielte die Band Buraka Som Sistema, die ihm seine 18 Jahre alte Tochter empfohlen hatte. Sie hatte die Band auf einem Festival gesehen. Renner hätte die portugiesisch-angolische Gruppe gern unter Vertrag genommen, die war aber schon komplett versorgt. Das wiederum wusste Renner nicht.

Dabei waren das Internet und mit ihm Star-Macher Renner an seine Grenzen gestoßen. „Das hatte ich nicht ergoogeln können“, sagt Renner. Ein seltener Moment in der Welt des Musik-Biz, dessen Digitalisierung sich selbst die Großen nach anfänglichen Beharr-Reflexen nicht mehr verweigern und sich so langsam aus der weltweiten Krise herauskämpfen. 2011 war das erste Jahr, in dem sich die weltweite Abwärtsspirale nicht weiterdrehte und auch der Deutschland-Markt im Vergleich zum Vorjahr mit einem Volumen knapp 1,5 Milliarden Euro stabil war. Erstmals seit 1997.

Welche Talente erfolgversprechend sind, wer die erhoffte Finanzspritze der Branchen-Multis oder auch von kleineren Labels wie dem von Renner auf einem stark zusammengeschmolzenen Markt bekommt, entscheidet sich längst auch über die digitalen Kanäle.

Nicht wie vor exakt einem halben Jahrhundert, als der Hamburger Starclub eröffnete, der die Beatles groß machte, und sie den Club. Als das – zugegeben – romantisierte Bild vom Talentscout auf der Hamburger Reeperbahn zwischen Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll noch eher stimmte als heute, wo die Newcomer-Suche nur einen Klick auf Youtube oder MySpace entfernt beginnt.

Teenieschwarm Justin Bieber ist so einer, der über das Internetportal MySpace bekannt wurde. „Aber die Währung ist die gleiche geblieben: Aufmerksamkeit. Egal ob Sie in einem Club auftreten oder Ihre Musik ins Netz stellen, Sie brauchen eine Idee, um Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt Renner. Diese Währung „war nur früher viel aufwendiger zu generieren“.

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