Biennale des Antiquaires
Vormarsch der Franzosen

Die Antiquitäten-Biennale in Paris ändert ihr Konzept. Die Messe wird weniger luxuriös und weniger international. Gleich 57 Erstaussteller wagen sich in diesem Jahr dazu. Ein Blick auf das Angebot.
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ParisDie lebende Legende Karl Lagerfeld kann alles. Mode entwerfen, fotografieren und eine Standplanung für die 26. Antiquitätenbiennale in Paris samt Plakat vorlegen. Der "Biennale des Antiquaires" dient der marketingerfahrene Modemacher 2012 als Zugpferd. Wenn die Messe Mitte September eröffnet, hat er die Stände der Aussteller zurückversetzt in einen Schaufensterbummel im Geschmack des 19. Jahrhunderts.

Lagerfelds Retro-Konzept ist nicht das einzige Fragezeichen im Vorfeld dieser Biennale. Die kommende Ausgabe markiert eine Wende in der Geschichte dieser jahrzehntelang für extremen Luxus und allerhöchste Qualität berühmten Kunstmesse. Von 122 Ausstellern im Grand Palais reisen nur 29 Galeristen aus dem Ausland an, nicht einmal ein Viertel der Aussteller. Es scheint, dass die internationale Komponente, die für den Rang jeder bedeutenden Messe entscheidend ist, nicht mehr zu den Prioritäten der Pariser Messeorganisatoren zählt.

Denn der "Verband der nationalen Antiquitätenhändler" entschied sich unter dem Vorsitz seines Präsidenten Christian Deydier eindeutig zugunsten seiner französischen Mitglieder. Wenn die Mehrzahl der aus zwölf Ländern stammenden ausländischen Aussteller Topqualität bieten kann, steht zu befürchten, dass das Qualitätsgefälle zwischen den großen, international erfahrenen Händlern und 57 Erstausstellern aus Frankreich krass ausfällt.

Der Hallenplan illustriert dies: Im Zentrum der Kuppelhalle des Grand Palais breiten sich die Kojen der renommierten Händler aus, in den Randbereichen und im neu dazugewonnenen ersten Stock, im "Salon d' Honneur", versammeln sich auf 1 200 Quadratmetern die kleinen Stände der Newcomer.

Vielleicht schaffen es die jungen Händler ja, frischen Wind ins Grand Palais zu bringen. Man ist gespannt auf originelle Sammelgebiete, die bisher nicht auf Luxusmessen präsent waren. Im aktuell schwierigen wirtschaftlichen Kontext scheint ein derartiges Experiment allerdings gewagt.

Mehrere Händler geben bereits Einblicke in ihr Angebot: Der Pariser Händler Benjamin Steinitz hält ein Tischchen bereit, das insbesondere deutsche Sammler und Kenner ansprechen dürfte. Steinitz junior vermutet, dass der Bronzegießer und Kunsttischler Johann-Melchior Kambly und die Kunstschreiner Johann Friedrich und Heinrich Wilhelm Spindler bei seinem friderizianischen Schildpattmöbel am Werk waren. Es dürfte um 1765 für das Neue Palais, das aufwendige Gästehaus von Friedrich II., entstanden sein.

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