Biennale in Venedig
Die moderne Form der Erleuchtung

Die 54. Kunst-Biennale von Venedig steht unter dem Motto „IllumiNAZIONI“.
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VenedigAm Samstag eröffnet die 54. Kunst-Biennale von Venedig für das Publikum. „IllumiNAZIONI“ hat Direktorin Bice Curiger ihre Auswahl im ehemaligen Arsenale und im Italienischen Pavillon genannt. Damit spielt die Schweizerin auf Licht, Erleuchtung und Erkenntnis an, die ein Kunstwerk dem Betrachter im besten Fall schenken kann.

Kein anderer Künstler trifft das Motto besser der Amerikaner James Turrell (*1943). In einer Box von 120 Quadratmeter lässt der renommierte Lichtkünstler im Arsenale zwei Räume ineinander übergehen. Dabei wird der Betrachter förmlich gebadet im Licht, das mal zum Greifen nah, mal wie in einem Schneefeld weit entfernt scheint. Denn Turrell modelliert das Licht, gießt es aus.

Hier treibt er die Illusion, das immaterielle Licht sein ein materieller Körper, auf die Spitze. Während der Betrachter in Einmalsocken im ersten Raum steht, verändern sich Licht und Farben um ihn herum und im unbetretbaren zweiten Raum sanft von Lavendel zu Lila, von alles umfassendem Blau und Himmelsblau über Weißlich hin bis zu Zartrosa und kompakt sich ausbreitendem Pink. Das ist eine besondere Erfahrung, die nur die Kunst bieten kann. Ob man sie nun rein ästhetisch oder religiös interpretieren mag.

Parallel zu den von Bice Curiger verantworteten Hauptausstellungen präsentieren 89 Nationen einen eigenen Beitrag mit dem „Besten“, was die jeweilige Kunstszene zu bieten hat. Sensationell frei von politischer Einmischung ist der Beitrag der Vereinigten Staaten von Amerika. Vor dem klassizistischen Pavillon in den Giardini macht ein auf den Kopf gestellter Panzer im Kies ohrenbetäubenden Lärm.

Auf seinen himmelwärts gereckten, leerdrehenden Ketten ist ein Laufband installiert. Dort rennt ein Spitzensportler der USA – und tritt doch auf der Stelle. Sinnfälliger und surrealistischer hätte das Künstlerduo Jennifer Allora und Guillermo Calzadilla seine Kritik am Waffengebrauch im Konfliktfall nicht ins Bild setzen können.

Ob die Biennale insgesamt wieder stärker Gesellschaft und Politik in den Blick rückt oder im Sinne einer Gegenwelt um sich selbst kreist, lesen Sie am Freitag im Handelsblatt-Kunstmarkt.

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IllumiNAZIONI
54. Biennale von Venedig:

4. Juni bis 27. November 2011
Di-So 10-18 Uhr
www.labiennale.org

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