Biennale-Künstler kritisiert Kapitalismusdebatte
Sehgal findet an Prozess der Ökonomisierung "nichts Schlimmes"

Der Künstler Tino Sehgal, der Deutschland auf der Biennale in Venedig vertritt, hält die Ökonomisierung des Lebens für "nicht aufhaltbar". Im Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagausgabe) sagte Sehgal, dass er sich in seinem Werk dafür interessiert, wie dieser Prozess der Ökonomisierung gestaltet werden kann, anstatt zu sagen, dass sei "etwas Schlimmes".

HB DÜSSELDORF. Der studierte Volkswirt und Tänzer wird seine Objekte vom 12. Juni bis 6. November im Deutschen Pavillon neben den Werken des Malers Thomas Scheibitz präsentieren. Sehgal beschäftigt sich in seinen Werken mit dem Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaft und Gesellschaft. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erläutert er nicht nur sein Kunstkonzept, sondern stellt sich auch ökonomischen Fragen. Zur Kapitalismusdebatte sagt der 29-Jährige, dass diese im Kern an kurzfristigen Problemen orientiert sei. Wesentlicher sei aber, dass es heute "ganze Gesellschaften gibt, die einen Überschuss an Grundversorgung haben."

In der Wirtschaft werde heute unter Prämissen einer vergangenen Ära operiert: "Mehr Wachstum gleich mehr Beschäftigung gleich mehr Wohlfahrt." Die direkte Wohlfahrtssteigerung, die das Produzierte selbst hervorzubringen vermag, sei aber minimal. Mit seiner immateriellen Kunst sucht Sehgal "eine andere Form der Produktion". In der Kunst sieht er das Vorbild künftiger Produkte.

Ohne materielle Kunstwerke zu hinterlassen, besteht Sehgals Werk in Handlungsanweisungen für eine oder mehrere Personen. In diesen häufig interaktiven Szenen stellt Sehgal durch Gesten und einfache Sätze Konventionen in Frage. Seine immateriellen Arbeiten dürfen nicht gefilmt oder aufgezeichnet werden.

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