Biennale Venedig
So vielfältig wie nie zuvor

Die Biennale in Venedig ist die weltweit berühmteste Schau für zeitgenössische Kunst. Die Kunstschau traut sich auch in diesem Jahr einen eindringlichen und kritischen Blick auf die Krisen der Welt zu.
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VenedigMit 120 Jahren ist sie zwar die älteste, aber immer noch die bedeutendste Kunstbiennale der Welt. Dabei wurde ihr Konzept, aktuelle, zeitgenössische Kunst aus verschiedenen Erteilen zu präsentieren, schon dutzendfach kopiert. Wenn an diesem Samstag die 56. Biennale von Venedig für das Publikum öffnen wird, dann erwartet das Publikum eine Schau, die größer und vielfältiger sein wird, als alle 55 Ausgaben zuvor.

Diesmal sind 87 Länder vertreten. Nur 29 haben einen eigenen Pavillon im größten Park von Venedig – den Giardini im äußersten Osten der Lagunenstadt. Die übrigen 60 teilnehmenden Nationen kommen entweder auf dem weitläufigen Arsenale-Gelände unter, auf dem die italienische Marine fortlaufend historische Bauten (Waffensäle, Seilereien und Tanklager) aufgibt.

Oder sie mieten sich in der Stadt einen der vielen alten Paläste. Für das Publikum ist das die schönste Art, die Serenissima zu entdecken. Wie würde man sonst Gassen jenseits der Touristentrampelpfade erkunden? Wann würde man je ein einstmals nobles Haus durch den Haupteingang auf der Wasserseite betreten dürfen? Wann seine typische Innenarchitektur mit eigenen Augen studieren können?

Keine leichte Aufgabe

Erstmals dabei sind in diesem Jahr Grenada, Mozambique, Mauritius, die Mongolei und die Seychellen. Aber das Herzstück jeder Biennale ist die zweigeteilte Hauptveranstaltung, die ein wechselnder Kurator verantwortet. Diesmal gibt Okwui Enwezor, der Direktor des Hauses der Kunst in München, Thema und Takt vor. Der Nigerianer mit US-Pass hat 136 Künstler aus 53 Ländern eingeladen, in den zentralen Pavillon in den Giardini, der diesmal Arena genannt wird, und das ausgedehnte Gelände im Arsenale zu bespielen. 88 von 136 Künstlern stellen zum ersten Mal in Venedig aus.

Das Motto lautet „All the Worlds Futures“, alle Zukünfte dieser Welt. Damit will Okwui Enwezor natürlich weg vom eurozentrischen Blick auf die Kunst. Selbst geprägt von der Kolonialgeschichte, mag er nicht vorbeisehen an aktuellen Flüchtlingsströmen, geopolitischen Krisen und der Klimakatastrophe.

„Ich möchte Künstler auswählen, die die Grenzen unserer zutiefst konservativen und abgeschotteten Disziplin herausfordern“, sagte Enwezor dem Magazin „Monopol“. Rund zwei Drittel der Teilnehmer sind erstmals nach Venedig geladen, andere sollen gerade zum 120. Geburtstag die künstlerische Tradition des Festivals deutlich machen.

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So vielfältig wie nie zuvor

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Gespanntes Warten auf den deutschen Pavillon

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