Bilanz 2000-2010
Die „Generation Glamour“ schmückt sich mit Kunst

Der Rückblick auf die Jahre 2000 bis 2010 zeigt den rasanten Preisaufschwung der zeitgenössischen Kunst, aber auch die Dominanz der Klassischen Moderne. Während der Dekade kontrastieren überbewertete Sammelgebiete mit unterbewerteten. Eine kritische Bilanz.
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BERLIN. Am Anfang steht der Spekulant, am Ende der Sammler. Die erste Dekade dieses Jahrhunderts bescherte den Kunstmärkten einen beispiellosen Aufschwung, der Ausfluss überbordender Liquidität ist. Die globale Wirtschaftskrise brachte zwar Korrekturen für die zeitgenössische Kunst, aber nicht den von vielen erwarteten Marktkollaps.

Jungmillionäre der New Economy, die kaufen und verkaufen, hatten den Markt für zeitgenössische Kunst schon zu Beginn des Jahrzehnts fest im Griff. Auf dem Höhepunkt der Überhitzung 2005/07 fließen Geldströme aus Bonuszahlungen der Hedge-Fonds in die Gegenwartskunst – am Jahresende 2005 schüttet allein Goldman Sachs 9,2 Milliarden Dollar aus.

Im Auktionsjahr 2006 werden in den New Yorker und Londoner Auktionen von Christie’s, Sotheby’s und Phillips 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt, mit den Werken der Impressionisten und Klassischen Moderne sind es sogar 3,5 Milliarden.

Diese Summen sind nun erst einmal Geschichte. Es ist zwar noch immer genug Geld in Umlauf, aber die Menge der angebotenen Kunst hat sich deutlich verringert. Die Auktionen sind schlanker geworden, weil das Material nun nicht mehr frisch aus den Ateliers oder aus privaten Parkstationen in die Versteigerungssäle fließt und weil auch die Qualitätsauslese der Superreichen in aller Welt stärker geworden ist.

Der Impressionisten-Markt hat den größten Materialmangel zu verkraften. Die einschlägigen New Yorker Abendauktionen boten in den neunziger Jahren noch serienweise Spitzenmaterial aus Sammlungen von Henry Ford II bis John Hay Whitney. Heute sind es nur Einzellose von Manet bis Picasso, die den Markt elektrisieren. Oder es sind En-bloc-Verkäufe von Kunstwechslern wie Charles Saatchi. Die Sammlung des Londoner Werbezars fungiert als probater Durchlauferhitzer angesagter Gegenwartskunst.

Der russische Milliardär Roman Abramowitsch bietet im Mai 2008 bei Sotheby’s für ein 1976 datiertes Bacon-Triptychon 86 Millionen Dollar. Daraufhin setzt die Londoner Galerie Marlborough ihr sechs Jahre früher entstandenes Bacon-Triptychon von 40 auf 80 Millionen Dollar. Bacon ist damit zum Megastar geworden.

Doch das gesamte Jahrzehnt ist geprägt von den Markennamen der zwei Künstler, die kraft ihrer Popularität und Produktivität schon seit zwei Jahrzehnten den Weltmarkt beherrschen: Picasso und Warhol. Ihr permanenter Marktauftritt zieht neue Kunden aus Russland und dem Nahen Osten an.

2003 sind zehn Picassos unter den Millionenzuschlägen von Christie’s und Sotheby’s. Ab 2004 jagen sich die Hochpreise. Im Mai des Jahres wird der 1905 entstandene „Garçon à la Pipe“ für 104,2 Millionen Dollar bei Sotheby’s versteigert. Im Mai 2010 kommt bei Christie’s der 1932 datierte „Frauenakt, grüne Blätter und Büste“ auf die Rekordsumme von 106,5 Millionen Dollar – an einem Tag, an dem die US-Börse auf dem Tiefststand ist.

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  • Als Weihnachstgeschenk im Jahre 2020 werde ich ihnen das Geld weggennomen haben.

    Sowohl diesen möchtegern Jungmillionären, als auch solchen bemitleidenswerten Geschöpfen wie Lloyd blankfein.

    ich frage mich nur was dieser Narr während all seiner Jahre bei Goldman Sachs gedacht hat: "Wenn ich in den Ruhestand gehe, dann habe ich alles hinter mir".

    Wenn blankfein in den Ruhestand geht, dann hat er eine Familie und seine Kinder haben auch eine - da wird der blankfein sich wünschen, dass er niemals geboren wäre.

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