Bilanz Österreich
Die Spreu vom Weizen

In Österreich verzeichnen Auktionshäuser und Handel Umsatzzuwächse, auch wenn nur hinter vorgehaltener Hand gejubelt wird. Bei Drittklassigem herrscht hingegen Flautenalarm.
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WienAuf dem österreichischen Kunstmarkt wird allenfalls hinter vorgehaltener Hand gejammert und gejubelt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten will man sich schließlich nicht exponieren. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Das eine könnte potenziellen Klienten den Kunstkauf vermiesen, das andere schickt sich derzeit einfach nicht.

Im Gegensatz zu Auktionshäusern, die ihre Umsätze und Topzuschläge veröffentlichen, die mit vorangegangenen mitgeteilten Umsatzzahlen verglichen werden können, gewährt der Rest des Kunsthandels keinen Einblick in die Bücher. In Ermangelung konkreter Zahlen und Fakten sind Chronisten damit auf Rückmeldungen angewiesen, bei denen es dann nur noch die Marketing-Spreu vom Realitäts-Weizen zu trennen gilt.

Denn vordergründig läuft ja alles bestens, selbst wenn der Aufwand dahinter, beispielsweise im Falle von Messen, fallweise in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Ergebnis mehr steht und man womöglich auf einem Anteil der Kosten hocken bleibt.

Betroffen davon ist hierzulande jene Gruppe von Kunsthändlern, die auf ein Warensegment fokussiert, das international nicht einmal mehr als Mittelware bezeichnet wird, sprich zweit- oder drittklassige Arbeiten von B-Künstlern in einer Preisklasse von 10 000 bis 15 000 Euro. Denen geht es, wenn überhaupt, gerade noch genügend. Dort herrscht genau genommen Flautenalarm. Es scheint, als ob die angeschlagene europäische Wirtschaft aufseiten der Kunstkäufer den Blick für Qualität zu schärfen imstande ist. Denn in den Kategorien darüber wirkt so weit alles paletti, in der Preisklasse ab 50 000 läuft es ganz gut, in der Liga 100 000 Euro aufwärts scheint gar permanent die Sonne zu scheinen. So weit das Resümee einer repräsentativen Anzahl an Kunsthändlern.

Krisen spülen bekanntlich auch immer Kapital in den Kunstmarkt. Und dafür, dass Herr und Frau Österreicher die nötige Kaufkraft besitzen, tritt die Auktionsbranche den Beweis an: Im Mai fischte sich beispielsweise ein Privatsammler Gabriele Münters "Am Starnberger See" für 732 000 Euro (inklusive Aufgeld) bei Villa Grisebach Auktionen in Berlin aus dem Angebot. Ein anderer bewilligte dem Dorotheum rund 754 800 Euro (inklusive Aufgeld, ohne Folgerecht) für Anish Kapoors gekrümmte Edelstahlscheibe und markierte damit den zweithöchsten seit Jahresbeginn in einem Auktionssaal in Österreich erzielten Preis.

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