Bildhauerkunst
Madonna mit "Ballon-Sturmhaube"

Der Frankfurter Kunsthändler Bernhard Decker hat einen neuen Katalog vorgelegt. Das Angebot reicht von der spanischen Muttergottes mit abenteuerlicher Kopfbedeckung über ein eklektizistisches Marienbildnis des frühen 18. Jahrhunderts bis ins frühe 20. Jahrhundert.
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FrankfurtAlle fünf Jahre veröffentlicht der Frankfurter Skulpturenhändler Bernhard Decker seine Lieblingsstücke in einem Katalog. Der jüngst erschienene umfasst 22 ausgewählte Positionen zur europäischen Bildhauerkunst, darunter auch eine Hl. Barbara mit langen Locken, die dem Schnitzkünstler Gregor Erhart (1470-1540) zugeschrieben wird. Sie ist neu im Programm des Kunsthändlers und in ihrer Qualität eine Rarität. Denn die Hauptwerke des Bildhauers kamen im Bildersturm der Reformationszeit um. „Da flogen die Fetzen“, erklärt Decker, anders als in Nürnberg, wo der Stadtrat die Stifter lediglich aufforderte, ihre Bildwerke zurück in ihren Besitz zu nehmen.

Gregor Erharts Hl. Barbara, für die Decker 100.000 Euro angesetzt hat, strahlt eine weiche, anmutige Körperlichkeit aus. Erstaunlich ist der stilistische Abstand zu der viel herber und lebensnaher aufgefassten Bildnisbüste des Hl. Bernhardin, den der Vater Gregor Erharts, Michel Erhart (1440-1522), schnitzte (150.000 Euro).

„Wahnsinnig gestylt“

„Wahnsinnig gestylt“ empfindet Decker die stillende Muttergottes aus Spanien, die 35.000 Euro kosten soll. Sie trägt als Kopfbedeckung eine sehr seltsame „Ballon-Sturmhaube“, die sich in großen Bögen über ihrem Kopf bauscht. Die Rahmenarchitektur des um 1540/50 entstandenen Reliefs ist eine spätere Zutat in nachempfundenen Renaissanceformen.

Der „Vanitas-Putto“, ein „Memento Mori“ aus dem Barock, stammt aus dem Nachlass des illustren Generalkonsuls Bruno H. Schubert aus Frankfurt. Es ist ein „Memento Mori“ auf hohem bildhauerischem Niveau, das im nachdenklichen Blick des hübschen Engelchens Lebenslust und Lebensernst vereint (44.000 Euro).

Dem Schweizer Bildschnitzer Johann Meinrad Guggenbichler (1649-1723) wird die äußerst beredte Halbfigur eines „Segnenden Christus“ zugeschrieben. Eigentlich gestikuliert dieser Christus und segnet nicht. Er stammt aus der Sammlung Leopold aus Wien und ist mit 35.000 Euro sehr günstig angesetzt.

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