Biographie
Der Über-Springer

Kaum ein anderer Verleger in Deutschland übt selbst nach seinem Tod so viel Faszination aus wie Axel Springer. Nun hat der Historiker und Politikwissenschaftler Hans-Peter Schwarz eine neue Springer-Biographie vorgelegt. Sie porträtiert die Medienikone Axel Springer in ihrer ganzen Zerrissenheit.

DÜSSELDORF. „Mein Name ist Axel Springer, Sohn reicher Eltern“, pflegte der damals junge Sohn eines vermögenden Altonaer Zeitungsverlegers über sich zu sagen. Schon in den Zeiten des Dritten Reichs liebte der spätere Erfinder der „Bild“-Zeitung die Provokation. Und später, als er von offenbar mit den Hamburger Verhältnissen wenig vertrauten britischen Presseoffizieren gefragt wurde, ob er in der Nazi-Zeit verfolgt worden wäre, soll Axel Springer die legendäre Antwort gegeben haben: „Eigentlich nur von den Frauen!“ Dieses angebliche Zitat ist immer wieder kolportiert worden. Doch im Fragebogen hat der geschäftstüchtige Springer seinen passiven „Widerstand“ gegen die Gewaltherrschaft der Nazis dick unterstrichen. Axel Springer, der in der Bonner Republik so mächtige Medienunternehmer, hatte eben bereits in jungen Jahren ein Janusgesicht.

Kein anderer Verleger in Deutschland übt selbst nach seinem Tod im September 1985 noch so viel Faszination aus wie Axel Springer. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass es an Biografien über den schillernden Unternehmer, prinzipientreuen Kalten Krieger und lebensfrohen Don Juan nicht mangelt. Zuletzt legte der frühere Chefredakteur des „Sterns“, Michael Jürgs, und der Springer-Intimus Claus Jacobi viel beachtete Bücher über den Gründer von Europas größtem Printkonzern vor. Bislang hatten sämtliche Biografen eine kritische oder gar freundschaftliche Beziehung zum vielschichtigen Menschen Axel Springer.

Bei dem Historiker Hans-Peter Schwarz liegt der Fall anders. Der Politikwissenschaftler, der mit seiner zweibändigen Biografie über Konrad Adenauer Furore gemacht hat, nähert sich Springer mit einem nüchtern-wissenschaftlichen Blickwinkel. Er hat die notwendige Distanz zum Objekt seiner Begierde. Der zweite Vorteil des Buches liegt darin, dass der 73-jährige Zeithistoriker erstmals grenzenlosen Zugang zum Archiv des Axel-Springer-Konzerns hatte. Das ist ein unschätzbarer Vorteil bei der Aufarbeitung des komplexen Lebens des Verlagsgründers.

Schwarz hat dieses Privileg exzellent genutzt. Er hat auf 734 Seiten den Menschen Axel Cäsar Springer seziert. Der Biograph Schwarz ist ein Glücksfall in doppeltem Sinn. Zum einen nähert er sich dank seiner wissenschaftlichen Unabhängigkeit und seines politisch-ökonomischen Koordinatenkreuzes dem Menschen und Unternehmer Springer auf nie zuvor gekannte Weise. Zum anderen kann Schwarz klug und unterhaltend schreiben. Das macht das Buch zu einem Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite.

Axel Springers letzte Frau Friede hatte beispielsweise dieses Glück mit ihrer Biografie vor zwei Jahren nicht. Die Autorin Inge Kloepfer erzählt die Lebensgeschichte der heutigen Mehrheitsgesellschafterin des Springer-Konzerns aus einer einseitigen Perspektive. In diesem Buch werden im Gegensatz zu Hans-Peter Schwarz’ Werk keine Quellen offengelegt. Viele scheinen es außerhalb des Springer-Konzerns sowieso nicht gewesen zu sein.

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