Björk im MoMA
Verschenkte Gelegenheit

Die Retrospektive der isländischen Sängerin Björk im Museum of Modern Art vermittelt wenig mehr als ein emotionales Erlebnis. Da der kulturelle und musikalische Kontext ausgeblendet wird, bleibt der Schaffensprozess im Dunkeln.
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New YorkWohl niemand bezweifelt, dass die isländische Sängerin, Komponistin und Schauspielerin Björk (49) innerhalb der letzten 20 Jahre mit ihrer komplexen Musik, einer ungewöhnlichen Stimme und auch durch bahnbrechende Musikvideos, in denen sie mit wichtigen Regisseuren und Designern zusammenarbeitete, Pop-Geschichte geschrieben hat. Sie hat eine „Midcareer-Retrospektive“ verdient. Aber ihre gerade im Museum of Modern Art (MoMA) laufende „Björk“-Ausstellung ist leider eine verschenkte Gelegenheit.

Zehn Jahre lang habe sie der deutsche MoMA-Kurator Klaus Biesenbach bekniet, einer Überblicksschau zuzustimmen. Björk zögerte lange, denn „wie kann man Songs an Museumswände hängen?“ Biesenbach brachte schon vor drei Jahren die „Retrospective 12345678“ der Düsseldorfer Elektropop-Band „Kraftwerk“ nach New York. Hier gab die Band acht ausverkaufte Konzerte. Björk ließ sich dagegen vor der ungewöhnlich zahlreich erschienenen Presse auf dem Medienempfang nicht blicken. Aber das war nur die erste von vielen Enttäuschungen.

Kitschige Fabel

Das MoMA installierte die dreiteilige Show nicht in den eigentlichen Ausstellungsräumen, sondern in einem temporären zweistöckigen schwarzen Pavillion im Atrium des Museums. Im „Cinema“ können sich Besucher in einer roten Sitzlandschaft von 30 Musikvideos der Alben „Debut“ (1993) bis „Biophilia“ (2011) berieseln lassen, oder auch nebenan – wieder nach geduldigem Warten – das neueste Björk-Video „Black Lake“ aus dem Album „Vulnicura“ (2015) ansehen. Hier ist die aufwendige Soundinstallation eindrucksvoll, visuell gibt es allerdings nicht viel her. In düsterer isländischer Landschaft macht Björk zehn Minuten lang ihrem Trennungsschmerz vom Künstler Matthew Barney Luft (Regie: Andrew Thomas Huang).

Kernstück der Ausstellung ist „Soundlines“. Hier steuert ein Audioführer den Besucher mittels einer kitschigen, autobiographisch inspirierten Fabel „The Triumph of the Heart“ (Autor: Sjón) durch die Musik von acht Alben. Vorbei geht der Parcours an Requisiten à la Hard Rock Cafe, auch der berühmte,  mittlerweile schon etwas abgeschrubbte weiße „Swan Dress“ von Björks Oscar-Auftritt 2001, bei dem sie für den Song „I’ve seen it all“ nominiert war, fehlt nicht.

Keine Einordnung – pure Emotion

Bewegt man sich schneller als die vorgesehenen 40 Minuten durch die acht kleinen Räume, mahnt eine sonore Stimme im Kopfhörer „Slow down!“. Diese Technologie ist schon sehr eindrucksvoll. Aber leider vermittelt dieser Teil der Ausstellung nur ein eindimensionales Abtauchen in Klangwelten. Der für eine Retrospektive zu erwartende informative Kontext ist durch pure Emotion ersetzt, nichts trägt zum Verständnis von Björks Schaffensprozess bei. Am interessantesten sind da noch vier rätselhafte in der Museumslobby aufgestellte progammierbare Instrumente, die für „Biophilia“ massgeschneidert wurden, unter ihnen Gravity Harps und Gameleste.

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Das Auto als Musikinstrument

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