Bob Dylan
Eines Tages wird die Schönheit mir gehören

Bob Dylan macht auch als Maler Karriere. Die Idee für seine jüngste Bildserie entstand auf einer Tournee durch Brasilien. Jetzt ist sie im Statens Museum in Kopenhagen zu sehen. Wer nicht so weit reisen möchte, greift zu dem Bildband, der im Prestel Verlag erschien.
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DÜSSELDORF. "Ich lebe in einem fremden Land, doch ich werd die Grenze überqueren / Die Schönheit wandelt auf schmalem Grat, eines Tages wird sie mir gehören./ Könnt ich nur die Uhr zurückdrehen bis zu dem Punkt, als Gott und sie geboren." Aus Dylans Lied "Shelter from the Storm" stammen diese Zeilen, und sie bringen so etwas wie sein künstlerisches Selbstverständnis zum Ausdruck: Fremdheit und Grenzüberschreitung sind die Eckpunkte einer Existenz, die nie ins Bequeme, Gesicherte strebt, sondern in der ständigen Erneuerung ("he not busy being born is busy dying") sich immer wieder behaupten muss.

Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet

Es ist auch eine Existenz auf der Bühne, in der Musik, der flüchtigsten aller Künste, und in Erfüllung der Forderung "Make it new!", die der große Dichter der amerikanischen Moderne, Ezra Pound, einst formuliert hatte. Legendär sind Dylans Weigerung, einen Song auch nur einmal in gleicher Weise zu wiederholen, legendär auch seine weltanschaulichen Hakenschläge vom Judentum zum Christentum und zurück. Legendär ist schließlich auch seine Auffassung von Identität: I'm not there, ich bin nicht der, für den ihr mich haltet, und wenn ihr einmal zu wissen glaubt, wer ich bin, könnte ich längst wieder ein anderer sein.

Dylan begann früh, seine Lieder zu illustrieren

Dylan hat von Anfang seiner Karriere an auch Interesse an bildnerischen Darstellungen. Er illustriert schon früh einige seiner Lieder, teils in realistischen Darstellungen, teils in surrealistischen Überhöhungen. Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre beginnt er, mit Farbe zu malen, gestaltet etwa ein Cover der Rockgruppe "The Band" und das seines eigenen Doppelalbums "Self Portrait". Intensiver wird sein bildnerisches Arbeiten dann ab 1989/90. Die Zeichnungen aus jener Zeit verwendet er im neuen Jahrtausend als Vorlagen für eine Reihe von Aquarellen, von denen eine Auswahl 2007 in Chemnitz zu sehen war.

Und als Auftragsarbeit für das Kopenhagener Statens Museum hat er schließlich die "Brazil Series" gemalt. Die Ausstellung umfasst 40 von insgesamt etwa 50 Acryl-Bildern, die allesamt brasilianische Szenen darstellen, von denen die Vorstudien auf einer Tournee in dem Land entstanden sind. Wie Dylans Lieder erzählen auch diese Bilder keine linearen Geschichten, sondern eröffnen Bildräume und zeigen assoziationsgeladene Szenerien. Jedes einzelne steht dabei für sich, ist abgeschlossen wie jeder seiner Songs.

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