Bollywood
Curry im Blut

Bollywood boomt. Im Fernsehen und jetzt auch live auf einer Deutschland-Tournee: „Bharati“ wird recht unbescheiden als „das größte Bühnenspektakel der Gegenwart“ angepriesen. Es hat keinen geringeren Anspruch, als in den großen Hallen der Republik mit 80 Tänzern, 20 Musikern und 800 Kostümen die vielen Seiten Indiens zu beleuchten.

DÜSSELDORF. Küssen ist nicht. Jedenfalls nicht in indischen Filmen. Der zarte Hauch auf die Wange muss genügen. Das verlangt von den Regisseuren Phantasie, weil das Happy End ohne dieses Hollywood-Must auskommen muss. Das ist ein Unterschied der neuen indischen Traumfabrik Bollywood zur amerikanischen Filmhochburg.

Als der delikatem Stoff nicht abgeneigte Privatsender RTL 2 vor zwei Jahren anfing, Filme aus Bollywood zu zeigen, verstand das deswegen kaum jemand. Indische Filme in einem Markt, der doch in erster Linie heimisches und angloamerikanisches Fernsehen bevorzugt? Kräftige Quoteneinbrüche prophezeiten Kritiker dem ansonsten eher auf televisionären Müll abonnierten Kommerzkanal – und lagen damit falsch.

Nicht nach unten, sondern nach oben zeigte die Kurve mit den Einschaltzahlen. Weshalb sich der Sender entschloss, noch mehr von dem preisgünstigen Material zu präsentieren. Weitere bonbonbunte und kitschtriefende Geschichten, noch mehr opulente Farbspektakel, noch mehr Exotik und nett verschlungene Singerei. Nächster Bollywood-Termin bei RTL 2: Ich bin immer für dich da. 18. August, 20.15 Uhr.

Indien geht jetzt eben. Das dachte sich wohl auch Marek Lieberberg, als er den Plan ausheckte, dem deutschen Publikum den Subkontinent in ganz besonderer Form nahe zu bringen. „Indien hat schon immer die Menschen bewegt“, sagt der erfahrene Konzertveranstalter und greift eine Idee des israelischen Regisseurs und Autors Gashash Deshe auf, der eine multimediale Aufführung inszeniert hat, die nun unter dem Namen „Bharati“ recht unbescheiden als „das größte Bühnenspektakel der Gegenwart“ angepriesen wird und keinen geringeren Anspruch hat, als in den großen Hallen der Republik mit 80 Tänzern, 20 Musikern und 800 Kostümen die vielen Seiten Indiens zu beleuchten.

Indien zieht an. Davon können nicht nur die ins ferne Land pilgernden Ayurveda-Touristen ein Mantra singen, auch auf das Werk von Popstars hat Indien immer wieder nachhaltig gewirkt.

Seite 1:

Curry im Blut

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%