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Bremer Bildhauerschule: „Letzte Bastion figürlicher Plastik“

Als der Bildhauer Waldemar Otto vor zwei Jahren seine Agamemnon-Bronze schuf, inspirierte ihn der Irakkrieg. In Anspielung auf die seiner Auffassung nach sinnlose Kriegspolitik versah er seine Figur mit einem hohlen Kopf.

dpa BREMEN. Als der Bildhauer Waldemar Otto vor zwei Jahren seine Agamemnon-Bronze schuf, inspirierte ihn der Irakkrieg. In Anspielung auf die seiner Auffassung nach sinnlose Kriegspolitik versah er seine Figur mit einem hohlen Kopf.

Dieses schnelle Reagieren auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen ist charakteristisch für die vor 30 Jahren gegründete Bremer Bildhauerschule. In der am Sonntag beginnenden Skulpturenausstellung „Die Bremer Bildhauerschule: Figur zwischen Fundament und Fundamentalismus“ zieht das Gerhard-Marcks-Haus Bilanz. Bis zum 7. November präsentiert das Bremer Museum die Positionen von Meistern und Schülern.

Mitte der 70er Jahre riefen die Professoren Waldemar Otto und Bernd Altenstein die Bildhauerschule an der damaligen Bremer Hochschule für Gestaltung ins Leben - eine der letzten ihrer Art. Bis heute steht dort die menschliche Figur im Mittelpunkt. „Orang-Utans gibt es nur noch in Borneo, Kommunisten auf Kuba und figürliche Plastik in Bremen“, sagt Arie Hartog, Kurator des Gerhard-Marcks-Hauses. Aus dem Beharren auf der menschlichen Figur sei eine vielseitige, bisweilen sehr realitätsnahe Kunst entstanden. Hartog spricht von „einer der letzten Bastionen figürlicher Plastik“, die nach wie vor Studenten aus ganz Deutschland nach Bremen ziehe.

Die auf zart gelben Sockeln platzierten Plastiken führen die unterschiedlichen Handschriften von Professoren und Schülern vor Augen. Jana Grzimek hat ihren voluminösen Bronzeengel wie einen Luftballon aufgeblasen. Ulrike Gölners Baumstamm erinnert an schwebende Unterwasserpflanzen. Im Museumsgarten öffnet Volker Schnüttgens rauer Granitblock den Blick in eine glatte Treppenflucht.

Im Zentrum der Hommage an die Bremer Bildhauerschule stehen die Plastiken der beiden Gründungsprofessoren. Während Ottos „Sockeltorso“ dynamisch nach vorne drängt, bleiben die „Lauschende“ und der „Schreibtischtäter“ von Altenstein in ihren Bronzeblöcken gefangen.

„Die figürliche Plastik ist nicht tot, sondern die Ausbildungsplätze sind zusammen geschmolzen“, kritisiert Altenstein. Die Akademie-Politik habe die figurative Plastik in den vergangenen Jahren kaum gefördert, obwohl das Interesse der Studenten ungebrochen sei. Derzeit studieren bei dem 61 Jahre alten Professor Bildhauer aus Deutschland, der Schweiz, Russland, Bosnien und China.

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