Bremer Kunstverein
"Wir sind kein elitärer Zirkel"

"Die meisten Kunstvereine sind reine Fanclubs. Sie beschränken sich auf Selbstverwaltung und Geldeinsammeln. Wir betreiben hier aber ein eigenes Museum, die Kunsthalle Bremen." Georg Abegg, Vorsitzer des Bremer Kunstvereins, sagt dies mit dem klassischen Stolz des hanseatischen Kaufmanns.

HB BREMEN. Selbstverständlich ist auch sein Verein auf Spenden angewiesen - und das nicht zu knapp. Wenn ein jahrelanger, zahlungskräftiger Sponsor wegfällt wie etwa Beck's, weil der Firmensitz ins Ausland verlegt wurde, macht sich das in der Vereinskasse natürlich bemerkbar. Dann müssen neue Wege erdacht werden, etwa die Versteigerung eines Escada-Kleids im Rahmen der Sonderschau "Monet und Camille".

Der Erlös bescherte dem Verein stolze 50 000 Euro. Ein Betrag, der angesichts eines jährlichen Etats von rund vier bis fünf Mill. Euro, zu dem die Stadt knapp die Hälfte zuschießt, gut tut. Denn das Museum am Wall spielt nicht in der Kreisliga: Es gehört zu den zehn größten deutschen Kunsttempeln. Mit Ausnahme des Frankfurter Städel sind alle übrigen allerdings staatlich getragen. Das verpflichtet und spornt die Bremer zugleich an, "ohne dass wir dabei das bremische Maß aus den Augen verlieren", versichert Abegg.

Der gebürtige Bremer ist kein kunstbesessener, aber doch kunstliebender und vor allem sparsamer Mensch: Mit Blick auf den klammen Haushalt des Bremer Theaters kritisiert er die Vorgehensweise von Intendant Klaus Pierwoß schlicht als "unseriös": "Man gibt nur so viel Geld aus, wie man auch hat."

Die Aufgabenteilung beim Bremer Museum ist strikt: Der 20-köpfige ehrenamtliche Vorstand des Kunstvereins regelt alle finanziellen Dinge, während fürs Inhaltliche Kunsthallen-Chef Wulf Herzogenrath zuständig ist. Abegg: "Uns ist egal, ob der Direktor die Wände für eine Installation blau oder gelb streichen will - Hauptsache, wir können es bezahlen." Herzogenraths Dienstherr ist folglich der Kunstverein, was ihn vor zwölf Jahren skeptisch gestimmt habe, als er den Gang von der Spree an die Weser erwog. "Aber die Chemie stimmte, das Vertrauen war da", resümiert Abegg. 6 500 Mitglieder zählt der Verein heute, dreimal so viel wie vor zehn Jahren. Das typische Mitglied ist "weiblich, 50plus", sagt Abegg. "Jüngere wollen sich nicht gern binden. Wir sind stolz, dass wir in allen Bevölkerungskreisen präsent sind und nichts mehr mit einem elitären Zirkel gemein haben. Dazu haben unsere populären Ausstellungen beigetragen." Das gewöhnliche Vereinsmitglied zahlt 50, Ehepaare 70 Euro pro Jahr. Eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit kostet Einzelpersonen einmalig 1 000, Ehepaare 1 500 Euro. Dafür erhalten sie kostenlos Zugang zur Kunsthalle, ausgenommen die großen Sonderschauen. Mitglieder, die auch den "Förderkreis für Gegenwartskunst im Kunstverein" oder den "Stifterkreis Böttcherstraße" unterstützen, locken zudem fachmännische Begutachtungen privater Kunstwerke, Reisen und Atelierbesuche.

Als die 34 Bremer Kunstfreunde 1823 ihren Verein gründeten zu dem "Zweck, den Sinn für das Schöne zu verbreiten und auszubilden" und "sich dabei auf die bildende Kunst" zu beschränken, handelte es sich um eine weitgehend private Angelegenheit. Man traf sich zu wöchentlichen Kunstbetrachtungen in Privathäusern oder in der Börse. Bald verwandelten sich die sonntäglichen Kunstbetrachtungen allerdings in eine öffentliche Angelegenheit. 1845 stimmte der Senat endlich der Bitte des Vereins zu, ein Gelände für den Bau eines eigenen Museums zur Verfügung zu stellen. Der Verein argumentierte gegenüber der Stadt vor allem damit, dass er ja Träger einer öffentlichen Aufgabe sei, nämlich der Pflege und Förderung der bildenden Künste nachkomme.

So errichtete sich der Kunstverein in Bremen mit dem Bau der Kunsthalle 1849 als erster Förderverein in Deutschland sein eigenes Gebäude. Zugleich war es das erste eigenständige Gebäude für eine bürgerliche Sammlung. Hamburg und Leipzig folgten dem Bremer Beispiel, doch gingen die dortigen Museen rasch in städtische Trägerschaft über, weil sich die Städte erheblich an den Baukosten beteiligt hatten. In Bremen waren sie dagegen komplett vom Verein aufgebracht worden. Daher ist der Bremer Kunstverein bis heute Träger des Museums, seit rund 100 Jahren allerdings mit finanzieller Unterstützung der Stadt.

Im Gegenzug besitzen fünf vom Bremer Senat bestimmte Abgesandte Mitbestimmungsrecht im Vereinsvorstand. Als vor Jahren die Zuschüsse für die Kunsthalle gestrichen werden sollten, gab ein McKinsey-Gutachten den Ausschlag dafür, die Bremer Konstellation - private Trägerschaft mit städtischer Unterstützung - zu erhalten. Abegg: "Sie entpuppte sich finanziell als die mit Abstand günstigste Variante."(www.kunsthalle-bremen.de)

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