Bridget Riley: Züngelnde Farbformationen

Bridget Riley
Züngelnde Farbformationen

Flirrende Farbfelder sind ihr Markenzeichen, derzeit zu sehen bei Max Hetzler. Bridget Riley, die Meisterin der Op Art, ist wieder Kult. Der Boom für zeitgenössische Kunst hat auch die achtzigjährige Britin erfasst.
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Berlin

Sie ist die Grande Dame der Op Art. Mit ihren 80 Jahren ist die britische Malerin Bridget Riley sich treu geblieben und hat sich zugleich weiterentwickelt. Das zeigt eine Ausstellung in der Berliner Galerie Max Hetzler, die Arbeiten der letzten 25 Jahre großräumig auf weißer Wand wirken lässt. Gleichmäßige Streifen, diagonal komponierte Rauten und Zickzackschlingen sind ihre Markenzeichen. Eine große Wandzeichnung mit gleichgroßen schwarzen Kreisen erinnert an die Zeit, in der die 1955 graduierte Studentin des Royal College of Art noch von Victor Vasarely beeinflusst war. Doch von dessen zunehmend dekorativer Kunst aber hat sie sich schon früh mit flirrenden Flächenmustern abgesetzt. Auch mit der Farbe generiert sie Bewegungen im Bild, die im Auge des Betrachters aktiviert werden.

 

Züngelnde Farbformationen

 

In den letzten Jahren sind ihre Bilder ruhiger geworden. Zu ihren jüngsten Arbeiten gehören züngelnde Farbformationen, in denen die diagonale Bewegung der Grundform durch ruhige Farben gemildert ist. Eine solche eher kontemplative Wandarbeit kostet 125.000 britische Pfund. Sie wird im Format 1:1 von den Assistenten der Künstlerin auf die dafür vorgesehene Wand aufgetragen. Von den anderen Werken der Ausstellung, die zahlreiche unverkäufliche Leihgaben enthält, sind nur noch wenige zu haben: ein Streifenbild von 1984 für 600.000 Pfund, ein Rhombenbild von 1989 für 550.000 Pfund und eine mit 350.000 Pfund bezifferte Komposition aus dem letzten Jahr.

Riley genießt Kultstatus

Diese Preise zeigen, dass die Britin heute wieder den Kultstatus genießt, der ihr fast zwanzig Jahre genommen war. Erst eine Ausstellung in der New Yorker Galerie PaceWildenstein im Jahr 2000 und die drei Jahre später in der Tate Britain gezeigte Retrospektive haben ihr die verdiente Marktposition zurückerobert. Der Boom für zeitgenössische Kunst erfasste auch die Veteranin. 2008 ersteigerte ein amerikanischer Sammler bei Sotheby's für 2,56 Millionen Pfund oder 5,1 Millionen Dollar ein Großformat von 1967 mit vertikalen roten und blauen Streifen. Das war ein Ausnahmepreis. Im Jahr darauf fielen drei von vier versteigerten Werken durch, doch inzwischen tendieren die Spitzennotierungen wieder stark gegen 1 Million Pfund – nicht zuletzt durch Museumsankäufe und das neu erwachte Interesse europäischer Sammler, die jetzt den traditionellen angloamerikanischen Käuferstamm preisstabilisierend erweitern. Der jüngste Hochpreis liegt bei 881.250 Pfund, den am 15. Februar bei Sotheby's ein vertikal komponiertes, zart getöntes Streifenbild von 1969 erzielte. 

 

„Bridget Riley. Paintings and Related Work 1893-2010, bis 16. April 2011

Galerie Max Hetzler

Oudenarder Straße 16-20
13347 Berlin

Tel 030/459 77 420

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