Britenbäcker
Alle auf Zucker

Eine Surfbrett-Torte mit Bikinischönheiten, eine Saal-Torte mit Akteuren, Samtbestuhlung, Leichen und jeder Menge Blut oder gar ein ganzes gebackenes Erdbeerfeld: In London kommt englischer Humor in den Ofen – und in skurrilen Wunsch-Kuchen wieder heraus.

LONDON. Die Torten von Rachel Mount begleiteten Robbie Williams im Tourbus, wurden auf eine australische Schaffarm geliefert, in florentinische Museen und auf eine karibische Privatinsel. Altrocker Ronnie Wood brachte es nicht übers Herz, seine Torte überhaupt anzuschneiden. Damit ihre Kunden sich im Konflikt zwischen Naschsucht und Ehrfurcht vor dem Teigwerk quälen können, ist das Studio der Londoner Kuchenbäckerin voll gestopft mit Backutensilien, Zeichnungen und Rezeptbüchern.

Die Kunden kommen mit vagen Ideen – Rachel Mount macht den Rest. Jedem Teig gehen detaillierte Skizzen voran. „Irgendwas mit Südsee“, lautete die Bitte für einen Junggesellen-Abschied. Heraus kam eine Surfbrett-Torte mit Bikinischönheiten. „Etwas zur Premiere“, wollte ein Bühnenensemble. Daraus wurde eine theatralische Saal-Torte mit Akteuren, Samtbestuhlung, Leichen und jeder Menge Blut „passend zum aktuellen Stück“.

Bis zu einer Woche arbeitet Rachel, die mit 16 Jahren die Schule schmiss und kellnerte, an den filigranen Skulpturen. Immer enthalten sie einen Gag in ihrem Buttercremekern. Den kuchenverwandten Begriff „Tart Cards“ (so heißen die Visitenkarten von Erotikdiensten in Telefonzellen) interpretierte sie zur Werbefläche um und backte ein Telefon, dem sie anzügliche Zuckerbotschaften samt ihrer Nummer beigab.

„Two Faced French Fancies“ nannte sie die Serie weißer Hochzeitstorten, deren Rückseiten alles andere als glückliche Paare zeigten. Und nicht nur die hat sie gebacken, sondern auch die originalgetreuen Barocktische, auf denen die Ehedramen stattfanden.

Womöglich liegt der Ansporn, Londons gefragteste Tortenbäckerin zu werden, in einem Kindheitstrauma: Ihre Brüder hatten immer die besseren Geburtstagskuchen, fand Rachel Mount. „Aber vielleicht ist meine Besessenheit auch darauf zurückzuführen, dass mein Großvater in einer Zuckerraffinerie tödlich verunglückte“, fügt die 40-Jährige hinzu – und grinst eher frech als böse. Jedenfalls brachte sie sich das Backen bei und machte aus ihren Torten komplett essbare Kunstwerke. Nun wurden sie sogar bei Sotheby’s in London ausgestellt.

Ganz so weit hat es die Londonerin Megan Williams mit ihren süßen Werken noch nicht gebracht. Doch auch die 35-jährige Erfinderin und Chefin der Londoner Cupcake-Company verwöhnt Kunden, die ihre Ideen in Teig gebacken sehen wollen. Ihre Manufaktur widmet sich ausschließlich handlichen Cupcakes (Tassenkuchen). Die Ministückchen individuell dekoriert.

Seite 1:

Alle auf Zucker

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%