British Music Week
Briten erobern Berlin mit Musik

Seit rund anderthalben Jahren erlebt britische Gitarrenmusik weltweit einen regelrechten Boom. Und damit dieser anhält, haben die die britischen Branchenvertreter in der Vermarktung neue Wege gewagt. Auf der British Music Week, die am Samstag zu Ende ging, boten sie den Musikfans neue Namen und Klänge.

Lange brauchten sie nicht zu suchen. Die deutsche Hauptstadt bot sich geradezu an, um neue und angesagte Musikgruppen aus Großbritannien nach Deutschland zu holen. Der britische Musikverband BPI fand in Berlin für die British Music Week nicht nur begeisterte Musikfans sondern auch Veranstalter und Medienvertreter, die von der Idee begeistert waren, eine Woche lange ausschließlich Bands von der Insel dem deutschen Publikum zu präsentieren.

„Unsere Musik hatte schon seit den Zeiten der Teilung einen hohen Stellenwert in dieser Stadt“, sagt Peter Jamieson, Chef des BPI. Selbst der deutsche Rocksänger Herbert Grönemeyer, der schon jahrelang in London lebt, fand sich zur Eröffnung der Promotionveranstaltung in der Botschaft des Vereinigten Königreichs in der Nähe des Brandenburger Tores ein.

Nicht nur in Berlin ist Musik von Coldplay oder Robbie Williams populär wie schon lange nicht mehr. Im Gegensatz zu Musikmessen wie der Popkomm, wo sich Verbände wie die BPI traditionell engagieren, sei die British Music Week, ein Versuch Musik direkt einer Öffentlichkeit zu präsentieren. „Wir wollen die Konsumenten ansprechen und nicht die Industrievertreter“, sagt Steve Redmont, Kommunikationschef des BPI. Es sei ein Experiment, bei der die Briten die Marke liefern und die lokalen Veranstalter ihr eigenes Geschäft machen, erklärt er. Zudem sei internationale Promotion von Musik teuer und verführe leicht dazu, mit seinen Ideen falsch zu lie-gen. „Was wissen wir denn in London, was auf dem deutschen Markt funktioniert und was nicht“, sagt Redmont. Daher sei er froh, Partner gefunden zu haben, die viel näher dran sind am Markt als es der PBI jemals sein könne.

Dabei achten die Briten vor allem darauf, dass sie in Wettstreit englischsprachiger Musik gegenüber den US-Amerikanern an Boden gewinnen. Die britische Musikindustrie liegt weltweit auf Platz zwei hinter der US-Branche. In Deutschland, dem viertgrößten Musikmarkt der Welt erreichten die Verkäufe britischer Musik 2005 nach Angaben von Nielsen Music Control allerdings gerade einmal 2,1 Prozent unter den 5000 am meisten verkauften Alben. Dagegen liegt der Marktanteil bei den im Radio abgespielten Liedern zwischen 16 und 19 Pro-zent. In Deutschland nähme der Zuspruch kontinuierlich zu.

In den vergangenen vier Jahren verdoppelten sich die Verkäufe britischer Gitarrenbands. Optimistisch stimmt die britischen Branchenvertreter die Zahl bezahlter Downloads in Großbritannien, sie stieg von 5,7 Millionen im Jahr 2004 auf 26 Millionen im vergangenen Jahr. Das habe die Verluste im gesamten Albumverkauf kompensiert. Für 2006 prognostiziert Redmond 35 bis 40 Millionen Downloads aus dem Internet gegen Bezahlung.

„Sollte die British Musik Week erfolgreich sein, kommen wir nächstes Jahr wieder und auf andere Regionen werden wir das Konzept ebenfalls ausweiten“, sagte Redmond. Volle Konzertsäle bei Gruppen wie Belle & Sebastian oder Razorlight, die erstmals zu einem Konzert nach Deutschland kamen, dürften ihn kaum am Erfolg zweifeln lassen. Daneben dürften die Konzertbesucher in Berlin auf vielen der kleineren Konzerte einen der kommenden Stars der britischen Musikszene zu Gesicht bekommen.

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