Buch der Könige
8,5 Millionen Euro für eine Miniaturmalerei

Die Illustrationen aus dem „Houghton Schahname“, dem persischen Nationalepos, sind Weltkultur vom Feinsten. Ob die Rothschilds oder die iranischen Ayatollahs – alle wollen die schöne Miniaturmalerei besitzen.
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London„Meine teuerste Erwerbung. Schreckliche Anstrengung, aber erfolgreich (ein Triumph)“, schrieb der Harvardprofessor Stuart Cray Welch hinten auf den Rahmen hinter einer persischen Buchillustration, die er 1977 bei der Londoner Kunsthandlung Agnew’s erworben hatte. Wie viel er bezahlte, ist nicht bekannt. Aber die schreckliche Anstrengung lohnte sich – jedenfalls für seine Nachfahren. Bei Sotheby’s in London wurde das Blatt als Höhepunkt des Professorennachlasses in einem achtminütigen Bietgefecht für inklusive Aufgeld  7,4 Millionen Pfund oder 8,5 Millionen Euro an einen anonymen Telefonbieter verkauft.

Kostbare Version des Nationalepos

Das Blatt gehörte einst zu dem illuminierten, mit Miniaturen verzierten Buch, das Kenner als eines der größten Kunstwerke der Kulturgeschichte bezeichnen. Mit Sicherheit ist die Gouache Teil des wichtigsten Meisterwerks der persischen Kunst. Das sogen. Folio 42 stammt aus der herrlichsten Version des „Buch der Könige“, das der Safawiden-Herrscher Schah Ismail 1522 bei den größten Künstlern seiner Zeit bestellte. Zwanzig Jahre lang arbeiteten die Vergolder, Papiermacher, Buchbinder, die besten Maler ihrer Zeit und begabtesten Kalligrafen um das persische Nationalepos in der prächtigsten, denkbaren Form zu haben. Fertig gestellt wurde es erst unter der Herrschaft von Schah Ismails Sohn Tahmasp  - weshalb es als „Der Schahname des Tahmasp“  bekannt ist.

Heute ist das Werk in alle Welt zerstreut. Es heißt, ziemlich unrühmlich, nach dem Zerstreuer, dem amerikanischen Glasfabrikanten Arthur A. Houghton, auch „Houghton Schahname“. Diesen Namen gab Professor Welch dem Buch, denn er schrieb das zweibändige Standardwerk darüber.

Iran tauschte es gegen de Kooning

So wichtig ist dieses schönste aller Königsbücher, dass sich sogar iranische Ayatollahs, ansonsten der Kunst nicht zugetan, damit befassten: 1994 übergaben sie in einem legendären Tauschgeschäft eines der bedeutendsten Gemälde Willem de Koonings, das ihnen aus dem Erbe des gestürzten Schahs geblieben war, gegen einen Block von 118 Blättern des „Houghton Schahname“. Bei der Übergabe auf dem Züricher Flughafen – überwacht von dem Londoner Islam-Kunsthändler Oliver Hoare und der Schweizer Kunsthändlerin Doris Ammann - wurde der Wert des de Kooning auf über 20 Millionen Dollar angesetzt. Das de Kooning-Gemälde „Woman III“,  ging an den amerikanischen Megasammler David Geffen. Als er den Frauenakt 2006 in einem Privatverkauf an den Sammler Steve Cohen abgab, soll er 136 Millionen Dollar gekostet haben. Wie viel wären die 114 Blätter des Meisterwerks persischer Buchkunst, die nun in Teheran sind, heute wert?

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