Buch-Vorstellung: Schröders klare Vermarktung

Buch-Vorstellung
Schröders klare Vermarktung

„Bild“, Beckmann und Bankchef: Gerhard Schröder und der Herder-Verlag rühren für das Interview-Buch „Klare Worte“ die ganz große Werbetrommel. Bei der Präsentation spricht Deutsche Bank-Co-Chef Anshu Jain das Grußwort.
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DüsseldorfGerhard Schröder versteht sich auf Dreiklänge, die ihm Aufmerksamkeit verschaffen. Aus „Bild“, „BamS“ und Glotze, die der Ex-Kanzler einst als unerlässlich zum Regieren befand, werden für die Vermarktung seines Buches „Klare Worte“ nun drei neue Bs: „Bild“, Bankchef und Beckmann.

Mithilfe dieses medialen Dreizacks rühren Autor, Protagonist und Verlag gemeinsam die gigantische Werbetrommel für Schröders Interview-Buch. Der Journalist Oliver Meck befragt darin den Bundeskanzler a.D., und der Herder-Verlag verlegt das Buch, das am Freitag präsentiert wurde.

Im Frage-Antwort-Stil heizen Meck und Schröder in zwölf Kapiteln und knapp 240 Seiten durch Themen wie Rentenreform (attackiert er scharf), sein Verhältnis zu Wladimir Putin („gut befreundet“) und die legendäre Elefantenrunde nach seiner Wahlniederlage 2005 („ein Fehler“).

Schröder selbst hat im vergangenen Sommer dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück mit einem Zitat von Heinrich Heine geraten „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht“. Er selbst beherrscht das Trommelspiel.

Bei der offiziellen Präsentation des Buches am Freitag spricht Deutsche Bank-Co-Vorstandsvorsitzender Anshu Jain das Grußwort. Auch der Ort ist symbolträchtig gewählt: In den Räumen der Deutschen Bank Unter den Linden in Berlin wird der „Kanzler der Bosse“ seine Agenda 2010 verteidigen, über Sotschi und Generationengerechtigkeit räsonieren. Als sozialdemokratisch-linker Kontrapunkt ist EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) dabei.

Am Vorabend hatte Schröder bei der ARD-Talkshow Beckmann einen Solo-Auftritt und knapp 75 Minuten Zeit, um mit dem Moderator die Themen seines Buches abzuarbeiten. Ohne andere Gäste oder Publikum. „Ich streite mich doch nicht mit anderen Leuten herum“, sagte Schröder vorab. Es war am Donnerstagabend die große Bühne für den „Basta-Kanzler“ ohne nennenswerte Gegenwehr von Reinhold Beckmann.

Weiterer Vermarktungs-Coup: Ausgewählte Medien, darunter die „Bild“-Zeitung, durften vorab Passagen des Buches drucken.

Die Gewinnmarge für Schröders Gesprächsbuch „Klare Worte“ dürfte daher vergleichsweise hoch sein; allein die Vorabdrucke lassen sich Verlage in der Regel fürstlich bezahlen. Niedrig dagegen ist der Aufwand. Das vom Verlag beworbene „Gesprächsbuch“ ist ein Interview, wie es Georg Meck als stellvertretender Leiter des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) regelmäßig führt – nur in Langform. Wieviel von dem Geld, das das Buch – Stückpreis 19,99 Euro, Erstauflage 17.000 – einbringt, Schröder als Honorar bekommt, darüber halten sich erwartungsgemäß alle Seiten bedeckt.

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