Buchbranche
Langenscheidt trotzt Internet-Angriff

Der Langenscheidt-Verlag hat es derzeit nicht einfach. Die wachsende Online-Konkurrenz bei Wörterbüchern und die Internet-Piraterie machen dem Konzern schwer zu schaffen - wie auch der gesamten Branche. Kampflos wollen sich die traditionellen Anbieter aber nicht geschlagen geben.

FRANKFURT. Der ungeliebte Konkurrent für das traditionsreiche Münchener Verlagshaus Langenscheidt heißt "Leo". Das Übersetzungsangebot aus dem Internet ist schnell, verlässlich und vor allem kostenlos. 150 Jahre nach seiner Gründung steht das Familienunternehmen, dessen Markenzeichen ein hellblaues "L" auf sonnengelbem Grund ist, mächtig unter Druck. Noch trotzt Langenscheidt dem Angriff aus dem Internet. "Wir haben keine Rückgänge durch Leo", sagte Verlagsleiter Rolf Müller dem Handelsblatt auf der Frankfurter Buchmesse. "Denn unsere Inhalte sind über das Internet verfügbar. Durch Kooperationen zum Beispiel mit der Deutschen Telekom bauen wir unsere Online-Präsenz ständig weiter aus", sagt der langjährige Buchmanager über das schwierige Wörterbuchgeschäft.

Langenscheidt erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 255 Mill. Euro. Davon entfallen 91 Mill. Euro auf Wörterbücher und den Sektor Fremdsprachen. Das Familienunternehmen mit zehn Gesellschaftern ist nicht nur Marktführer bei Wörterbüchern, sondern auch bei Nachschlagewerken. Dem Verlagshaus gehören auch Brockhaus, Duden und der Meyers Lexikon-Verlag sowie verschiedene Touristikverlage, darunter die bekannte Marke "Polyglott".

Der Angriff aus dem Internet macht Langenscheidt zu schaffen. Umsatzsprünge im früher so renditestarken Wörterbuchgeschäft sind heute nicht mehr möglich. "Es gibt kein Wachstum. Bei unserem Hauptprodukt, den Wörterbüchern, bleiben die Umsätze stabil", sagt Verlagsleiter Müller. Das Online-Geschäft ist noch zu gering, um für ein stärkeres Wachstum zu sorgen. "Mit den digitalen Medien machen wir im deutschsprachigen Raum rund zehn Prozent unserer Umsätze", berichtet er. Über die Ertragssituation gibt das Familienunternehmen traditionell keine Auskunft. Nach Firmenangaben soll die Umsatzrendite insgesamt auch in diesem Jahr wieder zweistellig sein.

Die Buchbranche leidet weiter unter dem Internet. "Das Internet führt zu einem Rückgang von vier bis fünf Prozent bei Nachschlagewerken und Ratgebern", berichtet Anna Metzner-Thiele vom Verlag für Standesamtswesen. Nach einer Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verdient nur ein Viertel der Verlage mit dem elektronischen Publizieren überhaupt Geld. Drei Viertel der Verlage rechnen damit, dass auch in fünf Jahren der Umsatzanteil der elektronischen Medien noch unter 15 Prozent bleiben werde. Der Börsenverein befragte 82 Verlage, die über das Internet und CD ihre Produkte vertreiben.

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