Buchhandel wagt Volltextsuche im Internet
Mit ein paar Klicks in alle Bücher

Eigentlich ist das Schlagwort Digitalisierung ist auf der Frankfurter Buchmesse ein alter Hut: Mit Produkten wie Lernsoftware und Online-Enzyklopädien und mit dem Internetvertrieb sind die Verlage schon lange erfolgreich. Nun will der Branchenverein einen neuen beherzten Schritt wagen und fordert damit Google heraus.

HB FRANKFURT/MAIN. Wer Kostproben von neuen Romanen oder auch ganze Bände im Internet lesen und hören möchte, den lässt die Buchbranche nicht mehr allein. Auf einer neuen Plattform will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vom 1. Februar 2007 möglichst viele deutschsprachige Titel anbieten.

Verlage und Autoren sollen selbst entscheiden, in welchem Umfang sie ihre Inhalte kostenlos oder gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Mit der am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten "Volltextsuche Online" (VTO) will die Branche als "Schrittmacher" in Europa auch der Herausforderung durch Google begegnen, das weltweit ohne Erlaubnis zumindest Teile von Büchern ins Internet stellen will. Das hat dem international führenden Suchmaschinenbetreiber neben dem Zorn von Verlagen und Bibliotheken auch erste Prozesse eingebracht.

Diese Initiative orientiert sich daran, dass die Suche im Internet - nicht nur mit Google - inzwischen zu einem dominierenden Zugang für Informationen aller Art geworden ist. Deswegen sollte die Buchbranche nach Ansicht des Arbeitskreises dafür sorgen, dass möglichst viele Bücher im Internet im Volltext recherchierbar sind, damit Kunden etwa kapitelweise oder komplette Werke bestellen, herunterladen oder auf einem anderen Weg nutzen können. "Derzeit ist es ja so, dass man bei einer Recherche zwar viel findet", erklärt Cornelia Waldenmaier vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Allerdings habe das alles wenig mit Qualität zu tun - ganz abgesehen von drängenden rechtlichen Fragen.

Der Börsenverein spricht von einem "Überlebensthema" für die Branche, um das geistige Eigentum an Büchern zu sichern. Die Herausforderung an Google wiegelt der Verband sofort diplomatisch ab: "Wir wollen nicht in Konkurrenz zu Google treten", betonte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Alexander Skipis. Die Branche verhandle vielmehr mit Google derzeit über eine Kooperation.

Derzeit wollen rund 70 Verlage beim Online-Projekt mitmachen, rund 10 000 Titel sind momentan erfasst. Miteingebunden werden soll auch der Buchhandel. Der Börsenverein als Dachverband von Verlegern und Handel hofft auch, die Verlage ins Boot zu kriegen, die derzeit bereits im Internet ihre eigenen Geschäftsmodelle erproben. Die neue Online-Plattform habe weltweit eine viel "höhere Visibilität" als die Internetangebote der einzelnen Verlage, wirbt Skipis für die neue VTO. "Wenn wir mit 10 000 Titel nach einem Jahr herumdümpeln, dann haben wir das Thema vergeigt."

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