Buchkunst
Bietgefechte an der Elbe

Hamburg ist ein Eldorado für Liebhaber antiquarischer Bücher. Allein drei deutsche Auktionshäuser haben hier ihren Standort. Die Resonanz auf ihr Frühjahrsangebot bestätigt die Bedeutung des Standorts.
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HamburgKetterer ist in dem Triumvirat der Hamburger Buchauktionshäuser der Platzhirsch. Während Kunst und Gewerbe in München, dem Hauptquartier des Hauses, versteigert wird, finden die Buchauktionen traditionell in Hamburg statt. In diesem Frühjahr erregte ein Kofferfund überregional Aufmerksamkeit, der im Nachlass von Walter und Nora Schadow auftauchte. Deren Enkelin staunte nicht schlecht, als sie zahlreiche eigenhändige Briefe von Hermann Hesse an ihre Großeltern entdeckte.

Ebenfalls unter den Fundstücken war ein Originalmanuskript des Märchens „Viktors Verwandlungen“, mit eigenhändigen aquarellierten Zeichnungen. Insgesamt wurde der Inhalt jetzt für 61.200 Euro (Aufruf 28.040 Euro) versteigert. Der Gesamterlös der zweitägigen Auktion von 1,4 Millionen Euro (mit Aufschlägen) bestätigt die Bedeutung des Geschäftszweiges von Ketterer in Hamburg. Am Abend lag die Verkaufsquote bei guten 80 Prozent und natürlich waren die auf insgesamt ein Dutzend Losnummern verteilten Hesse-Memorabilien besonders begehrt. Sie brachten Ergebniss zwischen 300 Euro und 15.000 Euro.

„Unsere optimistischen Erwartungen haben sich mehr als bestätigt“, resümierte Inhaber Robert Ketterer zufrieden die Sessions vom 18. und 19. Mai 2015. „Wir freuen uns sehr über die guten Steigerungen, die die Wertschätzung für diese einzigartige Dokumentation im Schaffen Hermann Hesses unterstreichen.“

Händler aus dem Feld geschlagen

Weiteres Highlight der Auktion war ein mit 16.000 Euro aufgerufenes Werk von Conrad Gessner, entstanden 1565/66. Es wurde auf 43.000 Euro hochgeboten. Dafür engagierten sich Händler aus Deutschland, Holland und den USA über fünf Telefonleitungen. Ein amerikanisches Antiquariat setzte sich schließlich durch. Aber auch das einzige von Serge Poliakoff illustrierte Buch, die Vorzugsausgabe von Platons „Parmenide“ von 1964 wurde hart umkämpft. Ein deutscher Sammler konnte sich das Exemplar aber erst sichern, nachdem sich die aufgerufene Summe verdreifacht hatte und die Bietkonkurrenz aus der Schweiz und Großbritannien, ausschließlich Händler, bei 37.000 Euro aufgab.

Indianerporträts hoch begehrt

Hauswedell & Nolte ist der zweite Traditionsanbieter für Bücher in der Hansestadt. Die diesjährige Frühjahrsauktion umfasste knapp 800 Lose, darunter eine auf Pergament gedruckte Inkunabel. Das 1473 bei Peter Schöffer in Mainz erschienene seltene Werk „Decretales“ wurde mit einem Schätzpreis von 60.000 Euro taxiert und kletterte auf 82.000 Euro, dem höchsten Zuschlag der Auktion.

Überraschend war das hohe Interesse an den 72 kolorierten lithographischen Porträts nordamerikanischer Indianer. „The Aboriginal Portfolio“ von James Otto Lewis, in kleiner Auflage 1835 in Philadelphia erschienen, konnte seinen Schätzpreis fast verdoppeln und wurde bei 32.000 Euro zugeschlagen.

Leben in Moskau

Briefe anderer scheinen immer interessant zu sein, zumindest dann, wenn es um historisch bedeutende Personen und ihren aufschlussreichen Alltag geht. Das stellte das neugierig machende Angebot von Briefen El Lissitzky‘s an seine Frau Sophie Küppers wieder unter Beweis. Sie stammen allesamt aus deren Nachlass.

Seite 1:

Bietgefechte an der Elbe

Seite 2:

Was El Lissitzky seiner Frau erzählte

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