Buchmarkt
Landeier auf Probe

"Raus aufs Land" ist kein abgegriffener Slogan mehr, sondern der aktuelle Trend auf dem Buchmarkt. Viele Autoren und Journalisten wagen gerade den Selbstversuch: vom überzeugten Städter zum Landei.
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DüsseldorfGemüse kommt aus dem Supermarkt, Joghurt schmeckt nach Frucht, und Eier kauft man in der Sechser-Schachtel. Wer mit diesen Grundannahmen aufgewachsen ist, hält vermutlich auch die letzte Station der städtischen Straßenbahn für das Ende der Welt. Doch es ist Aufklärung in Sicht.

Autoren wie der Fernsehmoderator Dieter Moor und die Journalisten Harald Braun, Hilal Sezgin, Irmgard Hochreither oder Martin Reichert hält es nicht mehr in der Stadt. Sie sind zu Botschaftern eines anderen Lebens geworden. „Raus aufs Land“ ist die Devise, nicht für einen kurzen Ausflug, sondern für immer. Zum Unkrautjäten, Hühnerfüttern und Erdbeerenwässern. Dem urbanen Leben den Rücken zu kehren und Lebensmittel selbst herzustellen ist jetzt auch auf dem Buchmarkt zum großen Thema geworden, die Erfahrungsberichte füllen die Regale.

„Die Titel liegen weit jenseits der klassischen Ratgeber“, sagt Steffen Haselbach, Verlagsleiter Sachbuch beim Kölner Verlagshaus Bastei Lübbe. „Hier ist eine neue Gattung an der Schnittstelle zwischen Unterhaltung und Information entstanden.“ Trendsetter war die Zeitschrift „Landlust“, die Auflagenrekorde feiert. Warum? „Die Leser sehnen sich nach alternativen Lebensentwürfen“, erklärt Haselbach.

Der Münsteraner Landwirtschaftsverlag verkauft über 800 000 Exemplare von jeder neuen Ausgabe der „Landlust“, deren Titelgeschichte auch schon mal lediglich von frischem Schnittlauch handeln kann. „Auto-Bild“, für das ehemals liebste Hobby der Deutschen, findet dagegen lediglich rund 500 000 Käufer pro Ausgabe.

In den Metropolen gehen Familien mit Kindern immer häufiger dazu über, ein Stück Acker oder einen Gemüsegarten am Stadtrand zu mieten und Tomaten, Salat und Möhren in der Freizeit großzuziehen. Würdenträger leben es ihnen vor: Seit vergangenem Jahr pflanzt First Lady Michelle Obama im Garten des Weißen Hauses in Washington ihr eigenes Gemüse. Prinz Charles hat sich in Großbritannien dem Biogärtnern verschrieben.

Warum also nicht ganz rausziehen? Auch wenn die Realität immer noch das junge Landvolk meistens in die Städte und nicht auf die Felder treibt. Das Land lockt: Dieter Moor lebt inzwischen auf seinem eigenen Bio-Bauernhof in Brandenburg und schreibt Bestseller – übers Land. Im Oktober erscheint bei Rowohlt sein neuestes Werk: „Bauer sucht Frau mit Trecker – Foto des Treckers bitte an Chiffre BZ 627 620“.

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