Buchmesse gegen Analphabetismus
Das einsame Leben in der Parallelwelt

Jedes Jahr stellt die Frankfurter Buchmesse einen neuen Rekord auf: Von der kommenden Woche an werden 380 000 Bücher und Hörbücher präsentiert, die Verlage kommen aus 111 Ländern. Doch in einer Parallelwelt wächst die Zahl der Menschen, die nicht dazugehören, weil sie nicht lesen und schreiben können. Wie die Buchmesse gegen Analphabetismus kämpft.

DÜSSELDORF. Allein in Deutschland sind es etwa vier Millionen Analphabeten, wie der Bundesverband Alphabetisierung mitteilt. Die Vereinten Nationen haben vor drei Jahren die Uno-Weltdekade zur Alphabetisierung gestartet, mit dem Ziel, bis 2012 die Zahl der erwachsenen Analphabeten auf der Welt um die Hälfte zu reduzieren.

Zum ersten Mal engagiert sich in diesem Jahr die Buchmesse für das gesellschaftliche Problem. Im Rahmen des neuen Messe-Schwerpunkts "Zukunft Bildung" wird am Montag eine internationale Kampagne zur Grundbildung und Alphabetisierung gestartet. Das "Handelsblatt" ist Medienpartner dieser Aktion. Eine Premiere mit Folgen: Von 2006 an soll die "Frankfurt Book Fair Literacy Campaign", kurz "LitCam", jedes Jahr zum Begegnungsforum für Organisationen aus der ganzen Welt werden.

"Wir planen langfristig und fühlen eine gesellschaftliche Verantwortung angesichts der immer größer werdenden Bedeutung von Bildung in der globalisierten Wissensgesellschaft", heißt es bei den Organisatoren. Buchmessen-Chef Juergen Boos wird die Fachleute aus Europa, Lateinamerika, Afrika und Asien selbst begrüßen.

Unterstützt wird das neue Projekt von Shashi Tharoor, dem stellvertretenden Uno-Generalsekretär und Leiter der Kommunikationsabteilung der Vereinten Nationen. Tharoor ist einer der bekanntesten indischen Schriftsteller ("Bollywood", "Die Erfindung Indiens", "Aufruhr" ). Er ist Schirmherr der "LitCam".

Das Thema Alphabetisierung erfordert eine Annäherung von zwei Seiten: In den Ländern der Dritten Welt liegt die Priorität in der Alphabetisierungsarbeit, vor allem für Frauen und Kinder. Deshalb werden bei der Messe richtungweisende Projekte aus dem Senegal, aus Indien und aus Brasilien vorgestellt.

In den Industrienationen geht es darum, Erwachsenen zu helfen, die wegen ihres Analphabetismus ausgegrenzt werden - oft aus eigener Scham. So leben allein in den Niederlanden geschätzte 1,5 Millionen Analphabeten. Prinzessin Laurentien hat dort vor zwei Jahren die Stiftung "Lesen & Schreiben" gegründet. Die Prinzessin wird berichten, wie die Niederländer das Problem der sozialen und ökonomischen Ausgrenzung von Analphabeten angehen.

Denn über eines sind sich die Experten einig: Analphabetentum und Ungleichheit hängen eng miteinander zusammen. Nach einer vor kurzem veröffentlichten Studie der Universität Miami haben Analphabeten sogar nachweisbar einen schlechteren Gesundheitszustand als Menschen, die lesen und schreiben können - schon allein, weil sie etwa Beipackzettel nicht begreifen.

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