Buchmesse in Frankfurt
100 Jahre Kommunismus – der rote Messerundgang

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Von Trump und unserer Konsumsucht

Beim Herumschlendern fällt dem Bolschewik der Buchtitel „Requiem für den amerikanischen Traum“ ins Auge – geschrieben vom bekannten Intellektuellen Noam Chomsky. Hier, aber auch im Buch „Gegen Trump“ von Naomi Klein, steht, was mit der mächtigsten Nation der Erde los ist. Schadenfreude pur beim Anhänger des Kommunismus. Und das gilt nicht nur für den Zustand der USA, sondern auch für die Nachbarn aus Europa.

Schwierig ist es, aus den diversen Büchern rund um die Euro-Krise eine Auswahl zu treffen. Hans-Werner Sinn ist der prominenteste Autor und überzeugt mit seinem Buch „Der schwarze Juni“. Neben der schonungslosen Bestandsaufnahme macht der ehemalige Chef des Ifo-Instituts 15 Vorschläge, wie die Zukunft aussehen könnte. Dass sich Europas Währung neu erfinden muss, eint die Autoren. Viele der Vorschläge geben den handelnden Personen eine funktionale Anleitung.

Die historisch niedrigen Zinsen erleichtern immerhin den Konsum. Und Lenin lernt bei Frank Trentmann, dass der Kapitalismus aus den Menschen Konsum-Maschinen gemacht hat. Fasziniert liest er das famose Werk des britischen Historikers bis zum Ende und stellt fest, dass so manches Klischee dann aber doch nicht stimmt, was ihm die kommunistische Argumentation nicht gerade leichter macht.

Der Gang durch die Geschichte bringt den Bolschewik auf eine interessante Idee: Wenn die Menschen im Kommunismus zu wenig hatten und im Kapitalismus zu viel, dann wäre ein früherer Entwurf doch vielleicht nachahmungswürdig: Venedig, Florenz und Pisa des 15. bis 17. Jahrhunderts bringt man zunächst mit Handel und Bankwesen in Verbindung.

Doch hier herrschte auch eine gesunde Art, mit dem steigenden Luxus umzugehen. Die Reichen konsumierten nur sehr wenig selbst – denn das galt gesellschaftlich als unfein. Sie unterstützten öffentliche Einrichtungen, stellten den steigenden Luxus der Allgemeinheit zur Verfügung. Und wenn der gesellschaftliche Druck nicht reichte, half der Gesetzgeber sanft nach.

Lenin beendet seinen Messerundgang in der Halle des Gastlandes Frankreich. Bei all den Herausforderungen und Möglichkeiten, die es 2017 zu geben scheint: Es herrscht Frieden in Europa. Daran hätten die Europäer vor 100 Jahren mitten im Ersten Weltkrieg nicht zu träumen gewagt hätten.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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